Classic Malts Selection – Diageos Kollektion aus 13 Single Malt Whiskys
Neun der 13 Abfüllungen der Diageo Classic Malts Selection.
Die Classic Malts Selection ist mit aktuell 13 Single Malt Whiskys aus ebenso vielen Brennereien die bekannteste Single Malt Kollektion des Diageo-Konzerns. Hervorgegangen ist sie aus den Classic Malts of Scotland, einer 1988 vom Diageo-Vorläufer United Distillers eingeführten Ursprungsreihe mit nur sechs Whiskys, von denen jeder eine schottische Whiskyregion repräsentieren sollte. Was zunächst wie eine simple Verkaufsstrategie wirkte, gilt heute als Wendepunkt, der Single Malt Scotch Whisky vom Nischenprodukt zum weltweit gefragten Genussmittel machte. Seit 2005 wuchs die Reihe in mehreren Schritten zur heutigen 13-teiligen Selection heran.
Classic Malts Selection auf einen Blick
Kaum eine andere Idee hat den Blick der Whiskywelt auf Regionalität und Vielfalt so nachhaltig geprägt wie die Classic Malts Selection. Diese sechs Stichpunkte geben den Überblick über Herkunft, Konzept und aktuellen Umfang der Kollektion.
Was ist es?
Ausgewählte Single Malt Kollektion
Kein offizieller Rechtsbegriff, sondern eine von Diageo geschaffene Marketingkategorie, die einzelne Single Malts gebündelt vermarktet.
Eingeführt
1988, erweitert ab 2005
Als Classic Malts of Scotland mit sechs Brennereien gestartet, seit Ende 2005 als Classic Malts Selection weitergeführt.
Symbol
Der Quaich
Die traditionelle zweihenklige schottische Trinkschale ziert bis heute Etiketten und Werbematerial der Kollektion.
Ursprung
6 Brennereien (1988)
Glenkinchie, Dalwhinnie, Cragganmore, Oban, Talisker und Lagavulin bildeten die ursprüngliche Reihe.
Umfang heute
13 Single Malts
Nach der Erweiterung 2005 und weiteren Ergänzungen umfasst die Classic Malts Selection mittlerweile Abfüllungen aus 13 Brennereien.
Mutterkonzern
Diageo
Die Kollektion gehört zum Portfolio des weltgrößten Spirituosenkonzerns und wird nach wie vor aktiv vermarktet.
Classic Malts Selection – was die Kollektion heute ausmacht
Die Classic Malts Selection ist keine eigenständige Whiskymarke und auch kein rechtlich geschützter Begriff, sondern eine von Diageo sorgfältige Auswahl bestehender Single Malt Whiskys, die gebündelt vermarktet werden. Das Grundprinzip stammt noch aus der Gründungszeit 1988: Jede aufgenommene Brennerei soll eine bestimmte schottische Whiskyregion mit ihrem typischen Charakter repräsentieren, sodass Genießer anhand weniger Flaschen die geschmackliche Bandbreite ganz Schottlands kennenlernen können. Auffällig ist, dass die verwendete Regionseinteilung von der offiziellen Klassifikation der Scotch Whisky Association abweicht – die eigens erfundene Kategorie „West Highland" etwa dient nur dazu, Oban und Dalwhinnie als getrennte Regionen zu führen. Campbeltown, historisch eine bedeutende Whiskyregion mit heute nur noch drei aktiven Brennereien, ist in der Auswahl nicht vertreten. In der Gastronomie und im Fachhandel wurden die sechs ursprünglichen Classic Malts seit den 1990er-Jahren häufig gemeinsam auf eigens dafür gestalteten Präsentationsständern angeboten, was die Idee der Reihe als zusammenhängende „Entdeckungsreise" durch Schottland unterstreicht. Anders als die Single Cask und Cask Strength Abfüllungen unabhängiger Abfüller, auf die sich FASSGEIST schwerpunktmäßig konzentriert, sind die Abfüllungen der Classic Malts Selection standardisierte Vermählungen aus mehreren Fässern mit reduzierter Trinkstärke. Sie sind bewusst konsistent statt individuell gehalten.
Die Classic Malts of Scotland – Ursprung der Selection (1988)
Ende der 1980er-Jahre fristete Single Malt Scotch Whisky ein Nischendasein: Trotz rund 40 % Anteil an der gesamten schottischen Malt Whisky Produktion erreichten Single Malt Abfüllungen nur etwa 2 % Marktanteil, da die allermeisten Malts als Zutat für Blends wie Johnnie Walker verschwanden. Einzig Glenfiddich, der bereits 1963 aktiv als eigenständiger Malt beworben worden war, genoss nennenswerte Bekanntheit. Auch Glen Grant fand vereinzelt Anklang, allerdings nahezu ausschließlich auf dem italienischen Markt. United Distillers ließ sich von der Weinbranche inspirieren, die mit der Rebsorten-Kennzeichnung auf Etiketten Kunden eine einfache Orientierung bot und übertrug dieses Prinzip auf Whiskyregionen. So entstand 1988 die Classic Malts of Scotland – die Ursprungsreihe mit sechs Abfüllungen, aus der sich später die heutige Classic Malts Selection entwickelte. Das Konzept ging auf: Die Einführung der Ursprungsreihe gilt als der Moment, der Single Malt Whisky einem breiten Publikum an Genießern zugänglich machte und den Grundstein für die heutige globale Nachfrage nach Regionalität und Herkunft legte.
Classic Malts of Scotland – die sechs Ursprungsbrennereien im Überblick
Jede der sechs Ursprungsbrennereien – Glenkinchie, Dalwhinnie, Cragganmore, Oban, Talisker und Lagavulin – wurde 1988 gezielt für ihren unverwechselbaren, regionaltypischen Charakter ausgewählt – von blumig-leicht bis kompromisslos rauchig. Sie bilden den historischen Kern der Classic Malts Selection.
Die sechs ursprünglichen Classic Malts of Scotland (1988)
- Glenkinchie (Lowland): blumig-leichter Malt mit sanftem, cleanem Charakter, seit 2007 als 12-Jähriger statt zuvor 10-Jähriger geführt.
- Dalwhinnie (Highland): honigsüßer, milder Malt aus einer der höchstgelegenen Brennereien Schottlands.
- Cragganmore (Speyside): komplexer, leicht rauchiger Malt aus einer Brennerei mit ungewöhnlicher Destillationsform.
- Oban (West Highland): öliger, leicht maritimer Malt aus einer der kleinsten Brennereien Schottlands.
- Talisker (Isle of Skye): pfeffrig-rauchiger, maritimer Malt der ältesten Brennerei der Insel Skye.
- Lagavulin (Islay): kompromisslos rauchig-torfiger Malt mit intensiver Tiefe.
Die Erweiterung zur Classic Malts Selection seit 2005
Ende 2005 benannte Diageo die Classic Malts of Scotland in Classic Malts Selection um und ergänzte sie um Abfüllungen von Caol Ila, Clynelish, Glen Elgin, Knockando und Royal Lochnagar – fünf Brennereien, die vor allem die bis dahin unterrepräsentierten Speyside- und Islay-Stile weiter auffächerten. In den Folgejahren kamen zusätzlich Cardhu und The Singleton of Dufftown hinzu, sodass die Selection heute insgesamt 13 Abfüllungen umfasst, wie die folgende Liste zeigt. Der ursprüngliche Regionalitäts-Gedanke bleibt zwar erkennbar, wird aber zunehmend von der Absicht überlagert, weitere Diageo-eigene Scotch Whisky Marken innerhalb einer bereits etablierten, verkaufsstarken Produktlinie zu platzieren. Wer die Selection als reines Lehrmittel für Regionalstile nutzen möchte, orientiert sich daher besser an der Rauchintensität der einzelnen Abfüllungen als an den zugewiesenen Regionsnamen. Leicht-blumige Malts wie Glenkinchie stehen fruchtig-malzigen Speyside-Stilen wie Cardhu oder Glen Elgin gegenüber, während Caol Ila und Lagavulin das rauchig-maritime Ende des Spektrums markieren.
Ergänzungen der Classic Malts Selection seit 2005
- Caol Ila: rauchiger Islay-Malt, ergänzt das torfige Profil neben Lagavulin.
- Clynelish: honigartig-wachsiger Highland-Malt aus Sutherland.
- Glen Elgin: fruchtig-blumiger Speyside-Malt.
- Knockando: weicher, floraler Speyside-Malt mit Jahrgangsangabe.
- Royal Lochnagar: kleine, königlich geprägte Highland-Brennerei nahe Balmoral.
- Cardhu und The Singleton of Dufftown: spätere Speyside-Ergänzungen der Selection.
Alle 13 Abfüllungen der Classic Malts Selection im Überblick
Die folgende Liste fasst alle 13 Abfüllungen zusammen, aus denen sich die Classic Malts Selection zusammensetzt.
| Brennerei | Region | Alter | ABV |
|---|---|---|---|
| Glenkinchie | Lowland | 12 Jahre | 43 % vol |
| Dalwhinnie | Highland | 15 Jahre | 43 % vol |
| Cragganmore | Speyside | 12 Jahre | 40 % vol |
| Oban | West Highland | 14 Jahre | 43 % vol |
| Talisker | Isle of Skye | 10 Jahre | 45,8 % vol |
| Lagavulin | Islay | 16 Jahre | 43 % vol |
| Caol Ila | Islay | 12 Jahre | 43 % vol |
| Clynelish | Highland | 14 Jahre | 46 % vol |
| Glen Elgin | Speyside | 12 Jahre | 43 % vol |
| Knockando | Speyside | 12 Jahre | 43 % vol |
| Royal Lochnagar | Highland | 12 Jahre | 40 % vol |
| Cardhu | Speyside | 12 Jahre | 40 % vol |
| The Singleton of Dufftown | Speyside | 12 Jahre | 40 % vol |
Die Distillers Editions – Nachreifung innerhalb der Selection
Seit den späten 1990er-Jahren ergänzt Diageo die sechs ursprünglichen Classic Malts innerhalb der Selection jährlich um sogenannte Distillers Editions: regulär gereifte Whiskys, die anschließend eine zusätzliche Nachreifung in ausgesuchten Wein- oder Sherryfässern durchlaufen und dadurch ein deutlich süßeres, komplexeres Profil erhalten. Jede Brennerei nutzt dabei ein eigenes Fassfinish, das zu ihrem Grundcharakter passt und Genießern eine zusätzliche geschmackliche Facette eröffnet. Anders als bei den regulären Abfüllungen der Selection wählt jeweils der Master Distiller der einzelnen Brennerei die passende Fassart selbst aus, sodass sich das Finish über die Jahre auch leicht ändern kann. Wer eine Distillers Edition im direkten Vergleich zur regulären Abfüllung derselben Brennerei verkosten möchte, findet in unserem Artikel zum Whisky Tasting eine Anleitung für den systematischen Geschmacksvergleich.
In diesen Fässern werden die Distillers Editions nachgereift
- Dalwhinnie: Oloroso-Sherryfässer.
- Glenkinchie: Amontillado-Sherryfässer.
- Cragganmore: Portweinfässer.
- Oban: Fino-Sherryfässer aus Montilla.
- Talisker: Amoroso-Sherryfässer.
- Lagavulin: Pedro-Ximénez-Sherryfässer.
Flora & Fauna und Rare Malts – verwandte Diageo-Sammlungen im Vergleich
Ermutigt vom Erfolg der Classic Malts of Scotland brachte United Distillers 1991 mit Flora & Fauna eine zweite, deutlich breitere Sammlung heraus: Über zwanzig eher unbekannte hauseigene Brennereien wurden erstmals einzeln abgefüllt, benannt nach Tieren und Landschaften auf den Etiketten – ein Name, den der Whisky-Autor Michael Jackson für die Reihe prägte. Parallel existierte von 1995 bis 2005 die Rare-Malts-Reihe für erfahrene Genießer – unverdünnte Fassstärke-Abfüllungen zwischen 18 und 30 Jahren, die auch bereits geschlossene Brennereien wie Port Ellen und Brora umfassten. Im Gegensatz zur zugänglichen, auf Regionalität ausgelegten Classic Malts Selection richteten sich beide Schwesterreihen an unterschiedliche Zielgruppen innerhalb des wachsenden Single Malt Marktes: Flora & Fauna an preisbewusste Entdecker, Rare Malts an zahlungskräftige Liebhaber seltener Fassstärke-Abfüllungen.
| Reihe | Eingeführt | Umfang | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Classic Malts Selection | 1988, seit 2005 als Selection | 13 Abfüllungen | Breites Publikum, Regionaleinsteiger |
| Flora & Fauna | 1991 | über 20 Brennereien | Preisbewusste Entdecker |
| Rare Malts | 1995–2005 (eingestellt) | Fassstärke, 18–30 Jahre | Zahlungskräftige Liebhaber |
💡 Wissenswertes: Das Symbol der Classic Malts Selection ist der Quaich, eine traditionelle schottische Trinkschale mit zwei Henkeln, die seit Jahrhunderten als Willkommens- und Freundschaftsgefäß gilt. Die „Keepers of the Quaich", eine 1988 gegründete Gesellschaft schottischer Whiskyproduzenten, tragen denselben Namen, stehen aber in keinem direkten Zusammenhang mit der Marketingkampagne von Diageo.
Die stilistische Bandbreite der 13 Single Malt Whiskys lässt sich am einfachsten im direkten Vergleich erleben.
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Jetzt verfügbare Abfüllungen ansehenDieser Artikel stammt aus dem FASSGEIST Whisky Lexikon – verfasst vom FASSGEIST-Redaktionsteam auf Basis von Brennerei-Dokumentationen, Fachliteratur zur Geschichte des Single Malt Whisky und offiziellen Diageo-Veröffentlichungen.
