Flora und Fauna – Geschichte, ursprüngliche Brennereien und Wandel einer Diageo-Serie
Die komplette Flora und Fauna Serie von Diageo.
Flora und Fauna ist eine der wildesten und unübersichtlichsten Sammel-Ideen von Diageo – und für Genießer seltener, begehrter Abfüllungen bis heute eine wahre Fundgrube. 1991 stellte der Diageo-Vorläufer United Distillers 22 Single Malts aus bis dahin fast unbekannten hauseigenen Brennereien vor, deren Malt sonst fast ausschließlich in Blends wie Johnnie Walker verschwand. Seither hat sich die Serie ständig verändert: Brennereien schlossen, wurden verkauft oder zu eigenständigen Marken befördert, sodass von der ursprünglichen Zusammenstellung heute nur noch ein Bruchteil im regulären Sortiment steht.
Flora und Fauna auf einen Blick
Kaum eine andere Serie von Diageo zeigt so deutlich, wie viele Brennereien hinter den bekannten Blends stecken. Diese sechs Stichpunkte geben den Überblick über Herkunft, Umfang und heutigen Status.
Was ist es?
Sammlung wenig bekannter Single Malts
Kein offizieller Markenname, sondern eine von Genießern und der Fachpresse geprägte Bezeichnung für eine Diageo-Abfüllserie bislang unbekannter Brennereien.
Eingeführt
1991 von United Distillers
Ursprünglich 22 Single Malts aus bis dahin unbekannten hauseigenen Brennereien, alle mit 43 % vol abgefüllt.
Namensgeber
Michael Jackson
Der britische Whisky-Autor prägte den Namen anhand der Pflanzen- und Tiermotive auf den Etiketten, offiziell hieß die Serie zunächst lediglich „Fassmuster".
Regionale Verteilung
14× Speyside, kein Campbeltown
Von den 22 Ursprungsbrennereien lagen 14 in der Speyside, fünf in den Highlands, zwei in den Lowlands und nur eine auf Islay.
Heutiger Umfang
Rund 11 feste Abfüllungen
Durch Schließungen, Verkäufe und Beförderungen zu eigenständigen Marken ist die aktuelle, dauerhaft gelistete Auswahl deutlich kleiner als 1991.
Mutterkonzern
Diageo
Die Serie gehört zum Diageo-Konzernportfolio und wird bis heute unregelmäßig fortgeführt.
Flora und Fauna – was diese Single Malt Serie ausmacht und woher der Name stammt
Flora und Fauna bezeichnet eine Gruppe von Single Malt Scotch Whisky Abfüllungen aus den eigenen Brennereien von Diageo, deren Malt normalerweise ausschließlich in Blends wie Johnnie Walker, J&B oder Bell's aufgeht. Für diese Serie gab es zunächst gar keinen offiziellen Namen. In der zweiten Ausgabe von Michael Jacksons „Malt Whisky Companion" von 1991 wurden die Abfüllungen schlicht als „Fassmuster" bezeichnet. Der Begriff „Flora and Fauna" tauchte dort nur in der Beschreibung zu Rosebank auf. Jackson bezog sich damit auf die Etiketten, die durchweg Pflanzen und Tiere aus der Umgebung der jeweiligen Brennerei zeigten. Der Name setzte sich in der Genießerszene durch und wurde schließlich auch von Diageo selbst übernommen.
Die Geschichte von Flora und Fauna – Antwort auf unbekannte Brennereien
United Distillers erkannte Anfang der 1990er, dass ein Großteil seiner rund 30 schottischen Brennereien der Öffentlichkeit völlig unbekannt war, obwohl deren Malt Whiskys wie Johnnie Walker erst ihren charakteristischen Geschmack verlieh. 1991, drei Jahre nach dem Start der Classic Malts of Scotland, brachte der Konzern deshalb 22 dieser bislang nur für Blends genutzten Brennereien erstmals einzeln als eigenständigen Single Malt Scotch Whisky auf den Markt – für viele Genießer die erste Gelegenheit überhaupt, den unverblendeten Charakter dieser Malts zu probieren. Die Aufmachung war bewusst zurückhaltend gehalten, ganz ohne aufwendige Vermarktung, was der Serie ihren bis heute eher unauffälligen, insiderhaften Ruf einbrachte. Flora und Fauna richtete sich damit von Anfang an eher an Genießer, die bereits über bekannte Regionsklassiker hinaus experimentieren wollten.
Die ursprünglichen 22 Brennereien von 1991
Die erste Ausgabe von 1991 umfasste Abfüllungen aus den Highland-Brennereien Aberfeldy und Royal Brackla, den Speyside-Brennereien Aultmore, Balmenach, Benrinnes, Craigellachie, Dailuaine, Dufftown, Glendullan, Glenlossie, Inchgower, Linkwood, Mannochmore, Mortlach und Speyburn, der Lowland-Brennerei Bladnoch, der Islay-Brennerei Caol Ila sowie den weiteren Highland-Brennereien Blair Athol, Clynelish und Teaninich – ergänzt um die inzwischen geschlossenen Pittyvaich und Rosebank. Alle 22 Abfüllungen wurden als Single Malt Scotch Whisky mit 43 % vol abgefüllt und mit für die jeweilige Brennerei typischen Reifezeiten zwischen 10 und 16 Jahren gereift.
Die 22 ursprünglichen Flora und Fauna Brennereien (1991)
- Aberfeldy, Royal Brackla: Highland-Brennereien, seither von Diageo verkauft.
- Aultmore, Balmenach, Benrinnes, Craigellachie, Dailuaine, Dufftown, Glendullan, Glenlossie, Inchgower, Linkwood, Mannochmore, Mortlach: Speyside-Brennereien, größte Gruppe der Serie.
- Bladnoch: Lowland-Brennerei, seither an ein anderes Unternehmen verkauft.
- Caol Ila: einzige Brennerei der rauchigen Islay-Region in der Serie, später zur eigenständigen Marke befördert.
- Blair Athol, Clynelish, Teaninich: weitere Highland-Brennereien.
- Pittyvaich, Rosebank: 1993 stillgelegt, Abfüllungen entsprechend selten und gesucht.
- Speyburn: Speyside-Brennerei, seither von Diageo verkauft.
Erweiterungen der Serie – Fassstärke, Nachzügler von 2001 und Reserve Casks
Flora und Fauna blieb nach 1991 nicht statisch. 1997 ergänzte Diageo neun Fassstärke-Abfüllungen als Single Malt Scotch Whisky aus Aberfeldy, Aultmore, Blair Athol, Caol Ila, Clynelish, Dailuaine, Linkwood, Mortlach und Rosebank – unverdünnt und deutlich intensiver als die regulären 43 % vol Abfüllungen. 2001 kamen vier weitere Brennereien hinzu, die im Original von 1991 gefehlt hatten: Auchroisk, Glen Elgin, Glen Spey und Strathmill, zunächst ohne die aufwendige Holzverpackung der früheren Editionen. Im September 2019 veröffentlichte Diageo schließlich die erste „Flora und Fauna Reserve Cask Private Collection" mit elf besonders seltenen Einzelfass-Abfüllungen, die jedoch nur in China erschienen und seither auf dem freien Markt praktisch nicht mehr aufgetaucht sind.
Flora und Fauna Erweiterungen 1997, 2001 und 2019
- 1997 – neun Cask Strength-Abfüllungen: Aberfeldy, Aultmore, Blair Athol, Caol Ila, Clynelish, Dailuaine, Linkwood, Mortlach, Rosebank.
- 2001 – vier Nachzügler ohne aufwendige Verpackung: Auchroisk, Glen Elgin, Glen Spey, Strathmill.
- 2019 – Reserve Cask Private Collection: elf Single Cask-Abfüllungen, exklusiv in China erschienen.
Warum sich Flora und Fauna ständig verändert
Kaum eine andere Whiskyserie hat sich so stark gewandelt wie Flora und Fauna. Pittyvaich und Rosebank verschwanden, weil ihre Brennereien 1993 endgültig geschlossen wurden. Aberfeldy, Aultmore, Balmenach, Bladnoch, Royal Brackla, Craigellachie und Speyburn fielen aus der Serie, weil Diageo die jeweiligen Brennereien im Lauf der Jahre verkaufte. Caol Ila und Mortlach wiederum wurden aus der Serie herausgelöst, weil beide mittlerweile als eigenständige Marken mit eigenem Markenauftritt geführt werden, statt weiterhin unter dem gemeinsamen Flora und Fauna Etikett zu laufen. Gerade die Abfüllungen dieser aus der Serie ausgeschiedenen Brennereien zählen unter Genießern heute zu den begehrtesten der gesamten Serie. Für Genießer bedeutet das: Wer heute einen ursprünglichen Flora und Fauna Scotch einer inzwischen geschlossenen Brennerei findet, hält einen der seltensten Whiskys der gesamten Serie in der Hand – ein Stück Scotch Whisky Geschichte, das so nicht mehr nachproduziert werden kann.
Warum Brennereien aus Flora und Fauna verschwinden
- Geschlossen (1993): Pittyvaich, Rosebank.
- Von Diageo verkauft: Aberfeldy, Aultmore, Balmenach, Bladnoch, Royal Brackla, Craigellachie, Speyburn.
- Zu eigenständigen Marken befördert: Caol Ila, Mortlach.
💡 Wissenswertes: Michael Jackson, der Namensgeber der Serie, war ein britischer Journalist und Autor zahlreicher Standardwerke über Whisky und Bier – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen US-amerikanischen Musiker. Sein „Malt Whisky Companion" gilt bis heute als eines der einflussreichsten Nachschlagewerke der Whiskywelt.
Flora und Fauna heute – welche Abfüllungen es noch dauerhaft gibt
Von den ursprünglich 22 Brennereien und den späteren Ergänzungen ist heute nur noch eine kleine Auswahl als fester, dauerhaft gelisteter Flora und Fauna Scotch erhältlich. Alle übrigen Editionen sind entweder komplett vom Markt verschwunden oder nur noch über Auktionen und spezialisierte Fachhändler als seltene Einzelstücke zu finden, oft zu Preisen, die weit über dem ursprünglichen Preis liegen. Gerade dieser unstete Charakter macht Flora und Fauna bei Genießern seltener Diageo-Abfüllungen bis heute zu einer der interessantesten, wenn auch am schwersten zu überblickenden Whisky-Sammlungen überhaupt. Wer sich auf die Suche nach einer bestimmten Abfüllung begibt, sollte deshalb eher Geduld als einen festen Plan mitbringen – welche Brennerei als Nächstes wieder verfügbar ist oder endgültig aus dem Sortiment verschwindet, entscheidet allein Diageo.
Die 11 aktuell erhältlichen Flora und Fauna Brennereien
- Teaninich, Strathmill, Mannochmore: dauerhaft gelistete Highland- und Speyside-Brennereien.
- Linkwood, Inchgower, Glenlossie, Glen Spey: weitere fest im Sortiment geführte Speyside-Brennereien.
- Dailuaine, Benrinnes, Auchroisk: Speyside-Brennereien mit teils längerer Reifezeit.
- Blair Athol: einzige aktuell dauerhaft gelistete Highland-Brennerei neben Teaninich.
Stand September 2026 – Diageo kann diese Auswahl jederzeit ändern.
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Zu Flora und FaunaDieser Artikel stammt aus dem FASSGEIST Whisky Lexikon – verfasst vom FASSGEIST-Redaktionsteam auf Basis von Brennerei-Dokumentationen, Fachliteratur zur Geschichte des Single Malt Whisky und Editionsübersichten zur Flora und Fauna Serie.
