Lagg – Brennerei für rauchigen Whisky im Süden von Arran seit 2019
Lagg ist eine 2019 eröffnete schottische Brennerei für Single Malt Scotch Whisky an der Südspitze der Isle of Arran und produziert ausschließlich stark getorften, rauchigen Whisky. Betrieben wird sie von Isle of Arran Distillers, dem gleichen Unternehmen, das bereits seit 1995 die Brennerei Lochranza im Norden Arrans führt welche nicht rauchigen Scotch produziert. Ihren Namen trägt Lagg nach einer historischen Vorgängerbrennerei, die bereits in den 1820er-Jahren am selben Küstenabschnitt Whisky brannte, bevor sie 1837 endgültig ihre Tore schloss. Mit ihrer Eröffnung brachte die neue Brennerei die traditionell rauchige Scotch Whisky Kultur des südlichen Arrans nach fast 180 Jahren zurück und ergänzte das fruchtig-sanfte Profil von Lochranza um einen rauchig-erdigen Gegenpol.
Lagg auf einen Blick
Eröffnet
2019
Erster Spirit Run im März 2019, offizielle Eröffnung für Besucher im Juni desselben Jahres.
Lage
Südspitze der Isle of Arran
Im Dorf Lagg an der Südküste der Insel, mit Blick über den Firth of Clyde.
Eigentümer
Isle of Arran Distillers
Gleicher Eigentümer wie die Schwesterbrennerei Lochranza im Norden Arrans.
Brennblasen
1 Wash Still, 1 Spirit Still
Zwei kupferne Brennblasen von Forsyths, eigens für den rauchigen Lagg-Stil gefertigt.
Rauchgrad
ca. 50 ppm Phenol
Getorfte Gerste, deren Torf aus dem schottischen Hochland stammt, nicht von Islay.
Kernsortiment
Kilmory, Corriecravie
Kilmory als dauerhafte Abfüllung, Corriecravie als jährlich limitierte Sherry-Edition.
Die Geschichte von Lagg – von der historischen Brennerei zur Wiedergeburt 2019
Der Name Lagg ist keine Neuschöpfung, sondern eine bewusste Hommage an die Whisky-Geschichte des südlichen Arrans. Lange bevor eine legale Brennerei entstand, war Arran vor allem für seine illegalen Stills bekannt, deren Erzeugnis unter dem Namen „Arran Water" auf dem Festland einen exzellenten Ruf genoss. Bereits zwischen 1825 und 1837 betrieb Captain Charles McAlister Shannon am selben Küstenabschnitt eine legale Brennerei, die zu den letzten ihrer Art auf der Insel zählte – neben kleineren Betrieben in Lamlash und Brodick. Finanzielle Schwierigkeiten und der Wettbewerb mit größeren Festlandbrennereien setzten der jungen Brennerei zu. Shannon geriet in Zahlungsschwierigkeiten und emigrierte schließlich nach Australien. Matthew Spiers' Söhne führten den Betrieb danach noch einige Jahre weiter, bevor auch sie 1837 aufgaben.
Nach rund 150 Jahren ohne legale Destillation kehrte die Whisky-Produktion 1995 mit der Eröffnung von Lochranza im Norden der Insel zurück, wo Isle of Arran Distillers zunächst ausschließlich unpeated Single Malt Whisky herstellte. Lochranza ergänzte sein Portfolio ab 2010 um Machrie Moor, eine erste getorfte Expression, die sich als konzeptioneller Vorläufer von Lagg erwies und maßgeblich zur Idee einer eigenen Brennerei für rauchigen Whisky im Süden beitrug. Der Erfolg dieses ersten Kapitels und die wachsende Nachfrage nach rauchigen Stilen führten 2016 zur Ankündigung eines zweiten Standorts im Süden, der explizit für stark getorften, rauchigen Whisky konzipiert wurde. Die Bauarbeiten begannen 2017/2018. Der erste Spirit Cut lief am 19. März 2019 durch das Spirit Safe, und bereits am 10. April desselben Jahres wurde das erste Fass befüllt. Im Juni 2019 öffnete Lagg schließlich offiziell seine Türen für Besucher, komplett mit Besucherzentrum und Gründach.
Anders als bei vielen Neugründungen der letzten Jahre stand bei Lagg von Beginn an ein klares Konzept im Vordergrund: die Rückkehr zu jenem rauchigen, erdigen Stil, den man sich für die ursprüngliche Brennerei des 19. Jahrhunderts vorstellt. Die ersten eigenen Single Malt Whiskys erschienen 2022. Seit 2023 ergänzt das feste Kernsortiment das Portfolio von Isle of Arran Distillers dauerhaft.
Wichtige Stationen der Lagg-Geschichte
- 1825–1837: Betrieb der historischen Lagg Distillery.
- 1995: Wiederbelebung der Whisky-Produktion auf Arran mit Lochranza.
- 2010: Erste getorfte Expression Machrie Moor bei Lochranza.
- 2016: Ankündigung einer zweiten Brennerei für rauchigen Whisky im Süden.
- 2019: Eröffnung von Lagg.
- 2022: Erste eigene Single Malt Whiskys.
- 2023: Festes Kernsortiment mit Kilmory und Corriecravie.
Produktion bei Lagg – Brennblasen, Torf und Wasser
Die Produktionsphilosophie von Lagg unterscheidet sich bewusst von jener der Schwesterbrennerei Lochranza. Bevor Lagg gegründet wurde, stellte Lochranza zeitweise sowohl unpeated als auch peated Whisky am selben Standort her, was sich als aufwendig und wenig effizient erwies. Seit der Trennung konzentriert sich Lagg ausschließlich auf die Produktion stark rauchiger Whiskys, während Lochranza nur noch ohne Torf produziert. Die verwendete Gerste erreicht einen Phenolgehalt von rund 50 ppm, wobei der Torf nicht von Islay, sondern aus dem schottischen Hochland stammt. Der Unterschied liegt in der Vegetation des Moors: Islay-Torf bildet sich in Küstennähe aus Sphagnum-Moosen mit maritimen Einflüssen und erzeugt so die typischen salzig-medizinischen, jodartigen Aromen. Hochland-Torf entsteht dagegen überwiegend aus Heidekraut, Gräsern und Wurzelholz und bringt dadurch eine erdigere, waldig-würzige Rauchnote ohne die maritime Schärfe hervor. Dieses Zusammenspiel macht den Lagg-Charakter zu einer eigenständigen Alternative innerhalb der rauchigen Whisky-Kategorie, statt eine bloße Islay-Kopie zu sein.
Auch die technische Ausstattung ist konsequent auf diesen Stil ausgerichtet: Die beiden kupfernen Brennblasen – eine Wash Still und eine Spirit Still – stammen vom renommierten Kupferschmied Forsyths und wurden eigens für den schweren, rustikalen Lagg-Charakter gefertigt. Genau so beschreibt auch Distillery Manager Graham Omand den eigenen Spirit-Stil. Das Brennwasser bezieht Lagg aus einer eigens gebohrten, rund 110 Meter tiefen Quelle, die frisches Wasser direkt aus dem Untergrund der Südspitze Arrans liefert. Lagg gibt seine jährliche Kapazität mit etwa 500.000 Litern reinem Alkohol an und zählt damit zu den mittelgroßen Scotch Whisky Brennereien. Trotz moderner Technik legt das Team um Distillery Manager Graham Omand großen Wert auf traditionelle, oft manuelle Arbeitsschritte, etwa beim Bedienen der Ventile oder beim Messen des Alkoholgehalts – Details.
Der Produktionsprozess von Lagg in Kürze
- Malz: Gerste mit Hochland-Torf, rund 50 ppm Phenolgehalt.
- Brennblasen: Von Forsyths gefertigt, für schweren, rauchigen Charakter ausgelegt.
- Wasser: Quellwasser aus eigener, 110 Meter tiefer Bohrung.
- Kapazität: Rund 500.000 Liter reiner Alkohol pro Jahr.
Die Lagg Whiskys – Kilmory und Corriecravie im Überblick
Wer Lagg Whisky kaufen möchte, findet in der Core Range der Brennerei zwei Abfüllungen, die beide nach kleinen Orten in der unmittelbaren Umgebung von Lagg benannt sind. Die Kilmory Edition trägt den Namen der Gemeinde, zu der das Dorf Lagg gehört und gilt als der eigentliche Hausstil der Brennerei. Sie reift ausschließlich in Ex-Bourbonfässern, wird ohne Kühlfilterung und ohne Farbstoff abgefüllt und kommt mit 46 % vol in den Handel. Kilmory steht dauerhaft zur Verfügung und bildet damit den zugänglichen Einstieg in Laggs rauchigen Whisky.
Als Kontrastprogramm dazu erscheint jährlich die Corriecravie Edition, benannt nach einem kleinen Weiler nordwestlich des Dorfes Lagg mit weitem Blick über die Südküste der Insel. Der Whisky reift zunächst ebenfalls in Bourbonfässern, bevor er für rund sechs Monate in Oloroso-Sherry-Hogsheads der Bodega José y Miguel Martín aus Jerez gefinished wird. Mit 55 % vol, ebenfalls ohne Kühlfilterung und Farbstoff abgefüllt, bringt Corriecravie zusätzliche Fruchtsüße und Würze in den rauchigen Whisky-Charakter und erscheint als limitierte Jahresedition in deutlich kleineren Mengen als die Kilmory Edition. Beide Abfüllungen sollen laut Brennerei bewusst an jenen erdig-rauchigen Stil erinnern, den man sich sowohl für die legale alte Lagg-Brennerei als auch für die zahlreichen illegalen Stills auf Arran im 19. Jahrhundert vorstellt.
Kilmory und Corriecravie im Vergleich
- Kilmory Edition: 46 % vol, Ex-Bourbonfässer, dauerhaft im Sortiment.
- Corriecravie Edition: 55 % vol, Bourbon-Reifung mit Oloroso-Sherry-Finish, jährlich limitiert.
Torfmoor-Restaurierung bei Lagg – Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Da Torf die Grundlage von Laggs charakteristischem Rauchprofil bildet, engagiert sich die Brennerei seit 2024 aktiv für dessen langfristigen Schutz. Gemeinsam mit dem Dougarie Estate sowie den Partnern Caledonian Climate und Angus Estate Plant restauriert die Brennerei rund 325 Hektar geschädigter Torfmoorflächen auf Arran. Das über das Förderprogramm Peatland ACTION unterstützte Projekt soll über einen Zeitraum von 55 Jahren mehr als 16.500 Tonnen CO2-Äquivalent binden. Für eine Brennerei, deren Charakter maßgeblich vom Torf abhängt, ist dieses Engagement zugleich ein Bekenntnis zur eigenen Zukunft: intakte Moore sichern nicht nur den Klimaschutz, sondern langfristig auch die Rohstoffbasis für kommende Generationen von Lagg Scotch Whisky.
Das Torfmoor-Projekt auf einen Blick
- Partner: Dougarie Estate, Caledonian Climate, Angus Estate Plant.
- Fläche: rund 325 Hektar restaurierte Torfmoorflächen.
- Förderung: über das Programm Peatland ACTION.
- Klimaziel: über 16.500 Tonnen CO2-Äquivalent in 55 Jahren.
Mehr über die Schwesterbrennerei
Lagg gehört wie die Brennerei Arran (Lochranza), die im Norden ebenfalls Single Malt Whisky herstellt, zu Isle of Arran Distillers. In unserer Brennerei-Infoseite zu Arran erfährst du mehr über Geschichte, Produktion und Abfüllungen der nördlichen Schwesterbrennerei.
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Lagg kaufen bei FASSGEISTDieser Artikel ist Teil des FASSGEIST Whisky Lexikons – verfasst vom FASSGEIST-Redaktionsteam auf Basis offizieller Destillerie-Angaben, Fachpublikationen sowie eigener Verkostungserfahrungen.
Lagg Whisky – Fragen und Antworten
Seit wann gibt es die Lagg Distillery?
Wem gehört die Lagg Distillery?
Woher stammt der Name Lagg?
Wie rauchig ist Lagg Whisky?
Was unterscheidet Kilmory und Corriecravie?
Kann man Lagg Whisky in Deutschland kaufen?
