Arran – Whiskybrennerei der Isle of Arran seit 1995

Die Arran Distillery brachte 1995 die legale Whiskyproduktion auf die Isle of Arran zurück – nach mehr als 150 Jahren Pause. Gegründet von Harold J. Currie, einem ehemaligen Chivas-Direktor, steht die Brennerei im Dorf Lochranza im Norden der Insel und ist heute für ihren fruchtig-eleganten, meist ungetorften Stil bekannt. Trotz ihrer vergleichsweise kurzen Geschichte hat die Brennerei ein bemerkenswertes Wachstum hingelegt: Steigende Nachfrage und Besucherzahlen führten bereits 2017 zu einer deutlichen Kapazitätserweiterung. Seit 2019 ergänzt zudem die Schwesterbrennerei Lagg, welche rauchigen Whisky produziert, im Süden der Insel das Portfolio der Isle of Arran Distillers Ltd.

Arran auf einen Blick

Gegründet

1995

Erste legale Destillation auf der Isle of Arran seit über 150 Jahren, offizielle Eröffnung 1997 durch die Queen.

Lage

Lochranza, Isle of Arran

Im Norden der Insel gelegen, direkt an der Bucht von Lochranza an der schottischen Westküste.

Gründer

Harold J. Currie

Ehemaliger Geschäftsführer von Chivas Brothers, finanzierte den Bau unter anderem über sogenannte Founder's Bonds.

Wasserquelle

Loch na Davie

Ausschlaggebend für die Standortwahl in Lochranza war vor allem die Qualität des dortigen Quellwassers.

Stil

Fruchtig, ungetorft

Meist mit 46 % vol abgefüllt, naturbelassen und ohne Kühlfilterung – typisch für den milden, eleganten Arran Charakter.

Kapazität

1,2 Mio. Liter/Jahr

Seit der Erweiterung 2017 mit vier Brennblasen, zuvor lag die Kapazität bei 750.000 Litern pro Jahr.

Die Gründung – wie Harold Currie den Whisky nach Arran zurückbrachte

Die Planungen für eine neue Destillerie auf der Isle of Arran begannen bereits um 1990, zu einer Zeit, in der die schottische Whiskyindustrie durch hohe Rohstoffpreise und einen Nachfragerückgang schwer angeschlagen war. Ausgerechnet in dieser Phase entschied sich Harold J. Currie, ehemaliger Geschäftsführer von Chivas Brothers, für den Bau einer eigenen Brennerei. Den passenden Standort fand er schließlich im kleinen Tal Glen Eason Biorach nahe dem Dorf Lochranza im Norden der Insel, vor allem wegen der außergewöhnlich reinen Quelle Loch na Davie. Finanziert wurde das Projekt auf ungewöhnliche Weise: Rund 2.500 Investoren zeichneten sogenannte Founder's Bonds und erhielten als Gegenleistung später Kisten des fertigen Whiskys statt klassischer Zinsen.

Der Bau begann in den frühen 1990er-Jahren, verzögerte sich jedoch, weil ein Steinadlerpaar in unmittelbarer Nähe der Baustelle brütete – ein Ereignis, das später sogar Eingang in das Logo der Brennerei fand. Am 29. Juni 1995 lief schließlich die erste Destillation, die offizielle Eröffnung des Besucherzentrums folgte 1997 durch Königin Elizabeth II. Damit besaß die Insel nach 158 Jahren wieder eine legale Scotch Whisky Brennerei: Die letzte war die 1825 gegründete und 1837 geschlossene Lagg Distillery im Süden der Insel gewesen, deren Name Jahrzehnte später zur Namensgeberin von Arrans künftiger Schwesterbrennerei werden sollte. Nach der Eröffnung von Lagg im Jahr 2019 wurde die ursprüngliche Destillerie in Lochranza Distillery umbenannt, während der Markenname Arran für den dort produzierten Whisky bis heute bestehen blieb.

Wichtige Stationen der Gründung

  • 1990: Erste Planungen für eine neue Scotch Whisky Destillerie auf der Insel.
  • Frühe 1990er: Baubeginn nahe Lochranza.
  • 29. Juni 1995: Erste Destillation.
  • 1997: Eröffnung des Besucherzentrums durch Königin Elizabeth II.

Der Arran Hausstil – fruchtig, elegant, ungetorft

In der Kategorie Island Whisky wird Arran meist neben Highland Park oder Talisker genannt, auch wenn „Islands" offiziell gar keine eigene Scotch Whisky Region ist – die Scotch Whisky Association zählt sämtliche Insel-Destillerien einschließlich Arran zu den Highlands. Für viele Genießer ist er dabei so etwas wie der Gegenbeweis zum Klischee vom rauchigen Whisky von den schottischen Inseln: Wer gezielt Whisky ohne Torf sucht, wird bei Lochranza fündig. In der Nase zeigt sich der klassische Lochranza Stil mit grünem Apfel, Zitrus und Vanille, am Gaumen folgen sanfte Süße und dezente Gewürznoten, im Abgang bleibt meist ein mild-fruchtiger, angenehm warmer Nachklang. Gern wird der Malt deshalb als „Speyside Whisky von einer Insel" beschrieben – eine Anspielung darauf, dass er trotz seiner Küstenlage kaum von maritimer Schärfe oder Torfrauch geprägt ist.

Arran Hausstil – Verkostung im Überblick

  • Nase: grüner Apfel, Zitrus, Vanille.
  • Gaumen: sanfte Süße, dezente Gewürznoten.
  • Abgang: mild-fruchtig, angenehm warm.

Grundlage jeder Abfüllung ist zu 100 % gemälzte Gerste, die in traditionellen Holz-Washbacks über mehrere Tage zur Wash vergärt, bevor sie zunächst in der Wash Still und anschließend in der Spirit Still zum New Make Spirit destilliert wird. Verantwortlich für den fruchtigen Charakter ist neben dem milden Klima durch den Golfstrom vor allem die anschließende Reifung in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche, ergänzt um einen kleineren Anteil an Ex-Sherryfässern – während der Lagerung in den Warehouses verdunstet dabei jährlich ein Teil des Whiskys als sogenannter Angel's Share. Die Core Range reicht von der Einstiegsabfüllung Barrel Reserve ohne Altersangabe über die 10 Jahre alte Standardabfüllung bis zu deutlich älteren Editionen mit 14, 18 und 25 Jahren, wobei die meisten Abfüllungen naturbelassen, ohne Kühlfilterung und mit 46 % vol in den Handel kommen.

Bis zur Eröffnung der Schwesterbrennerei Lagg entstand in Lochranza auch ein kleiner Anteil rauchiger Whisky unter dem Namen Machrie Moor, benannt nach einem archäologisch bedeutsamen Moorgebiet auf der Insel. Seit der Trennung der Produktion konzentriert sich Lochranza ausschließlich auf den ungetorften Hausstil, während die gesamte getorfte Produktion an den Standort im Süden gewandert ist. Das weitaus meiste Sortiment besteht bis heute aus Originalabfüllungen (OB) der Brennerei selbst; unabhängige Abfüllungen (IB) etwa von Signatory Vintage, Gordon & MacPhail oder Cadenhead's tauchen aufgrund der vergleichsweise jungen Fassbestände nur unregelmäßig auf dem Markt auf.

Arran Wachstum – Erweiterung und neue Editionen seit 2017

Arrans wachsender Erfolg zeigte sich schon früh an den Besucherzahlen in Lochranza: 2016 zählte das Besucherzentrum rund 104.000 Gäste, ein Plus von 93 % gegenüber 2012 und wurde mehrfach für seine Qualität ausgezeichnet. Um der steigenden Nachfrage sowohl bei Whisky als auch bei Touren gerecht zu werden, investierte die Isle of Arran Distillers Ltd. 2017 rund eine Million Pfund in eine umfassende Erweiterung: Unter Leitung von Master Distiller James MacTaggart erhöhten zwei zusätzliche Brennblasen die Produktionskapazität von 750.000 auf 1,2 Millionen Liter Alkohol pro Jahr. Ein neuer Verkostungsbereich sowie das angrenzende Gebäude Rowan House mit Blending-Room und zusätzlichem Tasting-Bar-Bereich rundeten den Ausbau ab.

Die Erweiterung 2017 im Überblick

  • Investitionsvolumen: rund 1 Million Pfund.
  • Brennblasen: zwei zusätzliche.
  • Kapazität: 750.000 → 1,2 Mio. Liter/Jahr.
  • Neubau: Rowan House mit Blending-Room.

Parallel zur baulichen Erweiterung überarbeitete die Brennerei auch ihr Kernsortiment: Neben der klassischen 10 Jahre alten Abfüllung ergänzten neue Editionen wie Barrel Reserve und das sherryfassgereifte The Bodega das Portfolio, begleitet von einem moderneren Flaschendesign. So bleibt sie trotz ihrer vergleichsweise kurzen Geschichte eine der meistbesuchten Brennereien Schottlands.

Arran und Robert Burns

Eine Besonderheit der Brennerei ist ihre offizielle Verbindung zum schottischen Nationaldichter Robert Burns: Als eine von wenigen Destillerien besitzt Arran die Erlaubnis der Robert Burns World Federation, einen eigenen Whisky unter dessen Namen zu veröffentlichen. Die Robert-Burns-Editionen, sowohl als Single Malt Whisky als auch als Blend erhältlich, gehören seit Jahren zum festen Bestandteil des Sortiments und unterstreichen ihre enge kulturelle Verankerung in Schottland. Auch die frühe Popularität der noch jungen Destillerie profitierte von prominenter Aufmerksamkeit: 1998 öffnete der schottische Schauspieler Ewan McGregor das erste offizielle Fass Arran Single Malt Whisky – ein Ereignis, das ihr zusätzliche mediale Sichtbarkeit weit über Schottland hinaus verschaffte.

⭐ FASSGEIST-Einschätzung – Arran
Wer einen zugänglichen, fruchtbetonten Single Malt Whisky kaufen möchte, findet in Arran 10 Jahre einen verlässlichen Einstieg. Bei FASSGEIST führen wir daneben auch die intensiveren Fassstärke-Abfüllungen Quarter Cask „The Bothy" und Sherry Cask „The Bodega" sowie Wine Cask Finishes in Sauternes-, Port- und Amarone-Fässern, die zeigen, wie facettenreich sich der fruchtige Arran Charakter je nach Fasseinfluss entwickelt. Steht eher der rauchige Gegenpol im Vordergrund, lohnt sich der Blick auf die junge Schwesterbrennerei Lagg, deren stark getorfte Abfüllungen inzwischen ein eigenes, wachsendes Publikum gefunden haben.

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Dieser Artikel ist Teil des FASSGEIST Whisky Lexikons – verfasst vom FASSGEIST-Redaktionsteam auf Basis von Fachpublikationen zur Geschichte der Isle of Arran Distillers, Brennerei-Dokumentationen und eigenen Verkostungserfahrungen.

Arran Whisky – Fragen und Antworten

Wann wurde die Arran Distillery gegründet?

Die erste Destillation fand am 29. Juni 1995 statt, die offizielle Eröffnung des Besucherzentrums folgte 1997 durch Königin Elizabeth II. Gegründet wurde die Brennerei von Harold J. Currie, einem ehemaligen Chivas-Direktor. Damit besaß die Isle of Arran nach 158 Jahren Pause wieder eine legale Whiskybrennerei, finanziert unter anderem über sogenannte Founder's Bonds, die an rund 2.500 private Investoren ausgegeben wurden.

Was unterscheidet Arran von Lagg?

Arran aus Lochranza steht für den klassischen, fruchtig-eleganten und größtenteils ungetorften Hausstil der Isle of Arran Distillers Ltd. Die Schwesterbrennerei Lagg produziert seit 2019 dagegen ausschließlich stark getorften Whisky mit rund 50 ppm Phenolgehalt. Beide Brennereien liegen an entgegengesetzten Enden der Insel – Lochranza im Norden, Lagg im Süden.

Warum heißt die Destillerie in Lochranza heute nicht mehr Arran?

Nach der Eröffnung der zweiten Brennerei Lagg im Jahr 2019 wurde die ursprüngliche Destillerie zur besseren Unterscheidung in Lochranza umbenannt, entsprechend ihrem Standort im gleichnamigen Dorf. Der Markenname Arran für den dort hergestellten Single Malt Whisky blieb davon unberührt und wird bis heute unverändert auf den Flaschenetiketten verwendet.

Was hat Arran mit Robert Burns zu tun?

Arran gehört zu den wenigen Destillerien, die von der Robert Burns World Federation die offizielle Erlaubnis erhalten haben, einen eigenen Whisky unter dem Namen des schottischen Nationaldichters zu veröffentlichen. Die Robert-Burns-Editionen sind sowohl als Single Malt Whisky als auch als Blend erhältlich und gehören seit Jahren zum festen Bestandteil des Sortiments.

Ist Arran Whisky getorft oder ungetorft?

Der klassische Arran aus Lochranza ist größtenteils ungetorft und für seinen fruchtig-eleganten Charakter bekannt. Torfige Abfüllungen entstehen seit 2019 ausschließlich in der Schwesterbrennerei Lagg im Süden der Insel, die sich vollständig der Produktion stark getorfter Single Malt Whiskys mit rund 50 ppm Phenolgehalt widmet.