Highland Park – eine der nördlichsten Whisky Brennereien Schottlands

Highland Park zählt bis heute zu den nördlichsten Standorten, an denen in Schottland Scotch Whisky produziert wird und liegt auf den Orkney-Inseln vor der schottischen Nordküste. Der Legende nach geht die Brennerei auf den Schmuggler und Kirchendiener Magnus Eunson zurück, der hier bereits Ende des 18. Jahrhunderts illegal brannte. Sie betreibt eine eigene Mälzerei und setzt auf den charakteristischen Orkney-Torf, der dem Whisky eine deutlich mildere, aromatischere Rauchnote verleiht als der medizinisch-maritime Torf von Islay. Zusammen mit einer ausgeprägten Sherryfass-Reifung ergibt sich ein Stil, der Highland Park zu einer der eigenwilligsten Single Malt Whisky Destillerien Schottlands macht.

Highland Park auf einen Blick

Gegründet

1798

Der Überlieferung nach durch den Schwarzbrenner Magnus Eunson, offiziell lizenziert seit 1826.

Lage

Kirkwall, Orkney

Eine der nördlichsten Whisky-Destillerien Schottlands, umgeben von Heidemooren und rauem Inselklima.

Eigentümer

The Edrington Group

Gehört wie The Macallan zum schottischen Spirituosenkonzern Edrington mit Sitz in Glasgow.

Mälzerei

Eigene Floor Maltings

Rund 20 % des Malzbedarfs werden noch traditionell auf dem eigenen Tennenboden gemälzt.

Torfquelle

Hobbister Moor

Baumloses, heidekrautreiches Moor auf Orkney, das eine aromatische statt medizinische Rauchnote liefert.

Fasstypen

Überwiegend Sherryfässer

Vor allem europäische und amerikanische Eiche, in Jerez mit Oloroso-Sherry vorbelegt.

Highland Park – Lage und Gründung auf Orkney

Highland Park liegt am südlichen Stadtrand von Kirkwall, der Hauptstadt der Orkney-Inseln, rund 16 Kilometer vor der schottischen Nordküste, dort wo Nordsee und Atlantik aufeinandertreffen. Über Jahrhunderte galt sie sogar als die nördlichste Brennerei Schottlands überhaupt, bis 2025 auf den noch weiter nördlich gelegenen Shetland-Inseln die Lerwick Distillery eröffnete und ihr diesen Titel streitig machte. In der Whisky-Systematik wird Highland Park meist der informellen Kategorie Island Whisky zugeordnet, auch wenn die Inselgruppen offiziell nicht als eigenständige Whisky-Region anerkannt sind und sie formal weiterhin zu den Highlands zählt. Die karge, baumlose Landschaft der Orkney-Inseln, geprägt von Wind, Heidemooren und dem Wechsel zwischen Nordsee und Atlantik, wirkt bis heute unmittelbar auf Reifung und Charakter des Scotch Whiskys ein.

Der Überlieferung nach reichen die Wurzeln der Brennerei bis in die 1790er Jahre zurück, als Magnus Eunson – tagsüber Kirchendiener, nachts Schwarzbrenner – auf dem Gelände des heutigen Highland Parks illegal Whisky brannte und seine Fässer Berichten zufolge sogar unter der Kanzel seiner eigenen Kirche versteckt haben soll. Offiziell lizenziert wurde die Brennerei 1826, benannt nach ihrer erhöhten Lage oberhalb von Kirkwall. Seither wird ununterbrochen produziert, mit wechselnden Eigentümern im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts, bis sie 1979 schließlich Teil des schottischen Spirituosenkonzerns The Edrington Group wurde. Edrington, zu dem auch The Macallan gehört, führt sie bis heute als eigenständige Marke mit klarem Fokus auf Single Malt Scotch Whisky.

Wichtige Stationen der Firmengeschichte

  • 1790er Jahre: Illegales Brennen durch Magnus Eunson auf dem heutigen Destilleriegelände.
  • 1826: Offizielle Lizenzierung der Brennerei.
  • 1979: Übernahme durch The Edrington Group.

Highland Park – Mälzerei und Orkney-Torf

Highland Park gehört zu den wenigen schottischen Destillerien, die noch über eine eigene Tennenmälzerei verfügen, in der Gerste von Hand gewendet wird – eine Praxis, die von den meisten Brennereien aus Kostengründen längst nicht mehr betrieben wird. Rund 20 % des jährlichen Malzbedarfs deckt sie auf diese Weise selbst ab, der Rest wird ungetorft von industriellen Mälzereien zugekauft und erst in der Mühle mit dem getorften Eigenmalz gemischt. Entscheidend für den Charakter des Whiskys ist dabei nicht nur die eigene Mälzerei, sondern vor allem die Herkunft des verwendeten Torfs. Gerade diese Handarbeit ist mit ein Grund, warum Highland Park als rauchiger Whisky gilt, dessen Torfeinsatz sich präzise dosieren lässt.

Anders als der Torf auf Islay, der aus jahrtausendealtem, dicht gewachsenem Moor mit hohem Holz- und Wurzelanteil stammt und dem Rauch seine medizinisch-maritime, jodige Note verleiht, wird der Torf für Highland Park im Hobbister Moor nahe der Brennerei gestochen. Dieses Moor ist nahezu baumlos und besteht überwiegend aus Heidekraut und Gräsern statt aus verrottetem Holz. Beim Räuchern der Gerste entsteht dadurch ein deutlich weicherer, blumiger und aromatischer Rauch, der eher an trockenes Heidekraut und Honig als an Rauchschwaden am Hafen erinnert. Diese bewusst zurückhaltende, nie dominante Rauchnote gilt als eines ihrer Markenzeichen und unterscheidet den Scotch Whisky spürbar von den kräftig-medizinischen Islay Whiskys weiter südlich. Fachlich lässt sich diese Zurückhaltung auch über den sogenannten Phenolgehalt beschreiben, der die Rauchintensität eines Whiskys in ppm angibt und bei Highland Park deutlich unter den Werten stark getorfter Islay Whiskys liegt. Dennoch bleibt es insgesamt ein rauchiger Whisky, der sich klar von den intensiveren Islay-Stilen abgrenzt.

Orkney-Torf im Vergleich zu Islay-Torf

  • Zusammensetzung: Heidekraut und Gräser (Orkney) statt verrottetem Holz und Wurzeln (Islay).
  • Rauchcharakter: Weich, blumig, honigartig (Orkney) statt medizinisch-jodig (Islay).
  • Herkunft: Hobbister Moor bei Kirkwall statt der dichten Torfmoore Islays.
  • Phenolgehalt: Deutlich niedriger als bei stark getorften Islay Whiskys.

Vor der Destillation wird die gemälzte, geschrotete und mit heißem Wasser eingemaischte Gerste vergoren, wodurch das sogenannte Waschbier (Wash) entsteht – eine dünne, biernahe Flüssigkeit mit rund 8 % Alkoholgehalt, die als Ausgangsstoff für die Destillation dient. Nach der Fermentation wird das Waschbier bei Highland Park in vier kupfernen Brennblasen destilliert, zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills mit birnenförmigem Korpus, rundem Kopf und sanft verjüngendem Hals, die durch das Fehlen von Einschnürungen oder Rückflusskugeln nur wenig Rückfluss erzeugen. Der daraus gewonnene New Make Spirit fällt dadurch vergleichsweise gehaltvoll und ölig aus – ein Stil, der für viele Island Whiskys charakteristisch ist und später erst die Balance aus mildem Rauch, Frucht und Sherry-Süße ermöglicht.

Highland Park – die Produktion im Überblick

  1. Mälzen: Gerste wird auf dem eigenen Tennenboden oder zugekauft gemälzt.
  2. Räuchern: Trocknung über Orkney-Torf aus dem Hobbister Moor.
  3. Fermentation: Vergärung der Maische zu Waschbier.
  4. Destillation: Zweifache Brennung in vier kupfernen Brennblasen.
  5. Reifung: Lagerung überwiegend in Oloroso-Sherryfässern.

Highland Park – Klima und Sherryfass-Reifung

Das Klima auf Orkney ist von stetigem Wind, hoher Luftfeuchtigkeit und vergleichsweise geringen Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter geprägt – ein für schottische Verhältnisse ausgesprochen stabiles Klima. Das trägt dazu bei, dass der sogenannte Angel's Share, also der jährliche Verdunstungsverlust während der Fasslagerung, hier bei dem für Schottland typischen Wert von rund 2 % pro Jahr liegt. Der Whisky reift dadurch gleichmäßig, was besonders langen Reifezeiten von 15, 18 oder mehr Jahren zugutekommt.

Neben dem Klima legt Highland Park traditionell besonderen Wert auf die Fassauswahl. Im Zentrum steht dabei die Reifung in Sherryfässern aus europäischer und amerikanischer Eiche, die eigens in Jerez de la Frontera mit Oloroso-Sherry vorbereitet werden, bevor sie erstmals mit schottischem New Make befüllt werden. Diese aufwendige Fassbeschaffung – teils über eigene Kooperationen mit spanischen Böttchereien – ist mitverantwortlich für die typischen Aromen von getrockneten Früchten, Honig, Heidekraut und würzigen Gewürznuancen, die sich bei Highland Park mit der milden Rauchnote des Orkney-Torfs zu einem unverwechselbaren Gesamtbild verbinden. Damit gehört Highland Park zu den stilprägendsten Single Malt Whisky Produzenten Schottlands.

💡 Wusstest du schon? Der Legende nach entging Gründer Magnus Eunson einer Razzia der Steuerbeamten, indem er seine Whiskyfässer unter einem weißen Tuch versteckte, einen Sargdeckel darauflegte und mit trauernden Nachbarn eine Beerdigung vortäuschte – mit dem Hinweis, der „Verstorbene“ sei an Pocken gestorben. Aus Angst vor Ansteckung suchten die Beamten das Weite, ohne je einen Tropfen Schwarzgebranntes zu finden.

Highland Park – Sortiment aus 12, 15 und 18 Jahren

Das Kernsortiment von Highland Park basiert auf den klassischen Altersangaben 12, 15 und 18 Jahre, ergänzt um wechselnde Sonderabfüllungen für Sammler und ambitionierte Genießer. Charakteristisch für die Marke bleibt ein rauchiger Whisky mit Heidekraut- und Honignoten statt intensiver Torfschärfe.

Highland Park Kernsortiment

  • Highland Park 12 Jahre: Zugänglicher, milder Einstieg in den Hausstil.
  • Highland Park 15 Jahre: Mehr Sherryfass-Tiefe und Komplexität.
  • Highland Park 18 Jahre: Ausgereifte Standardabfüllung mit intensiver Frucht-Sherry-Note.
  • Sonderabfüllungen: Sammlerorientierte Editionen in variabler Fasskombination.

Auch als Basis für Abfüllungen Independent Bottler ist Single Malt Whisky aus Kirkwall gefragt. Für Liebhaber von Single Cask und Cask Strength Abfüllungen lohnt sich zudem ein Blick über die offiziellen Abfüllungen der Brennerei hinaus: Verschiedene unabhängige Abfüller bringen regelmäßig eigene Fässer auf den Markt, oft ohne Kühlfilterung, in Fassstärke und ohne Farbstoffzugabe – eine Gelegenheit, den Charakter der Brennerei ganz ohne Hausstil-Politur des Eigentümers kennenzulernen.

⭐ FASSGEIST-Einschätzung – Highland Park
Wer Single Malt Whisky mit dezenter statt dominanter Rauchnote kaufen möchte, findet in Highland Park einen der ausgewogensten Vertreter Schottlands. Die Kombination aus Orkney-Torf und Sherryfass-Reifung macht den Stil auch für Genießer interessant, die klassische Islay Whiskys eigentlich meiden – während Single Cask Abfüllungen unabhängiger Abfüller einen unverfälschten Blick auf die Destillerie jenseits der offiziellen Standardabfüllungen erlauben.

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Dieser Artikel ist Teil des FASSGEIST Whisky Lexikons – verfasst vom FASSGEIST-Redaktionsteam auf Basis von Fachpublikationen zur Geschichte und Produktion von Highland Park.

Highland Park – Fragen und Antworten

Wo liegt die Highland Park Destillerie?

Highland Park liegt am Rand von Kirkwall auf den Orkney-Inseln, rund 16 Kilometer vor der schottischen Nordküste, und zählt zu den nördlichsten Whisky-Destillerien Schottlands. Die abgelegene Insellage mit rauem Atlantikklima und ständigem Wind beeinflusst sowohl die eigene Mälzerei als auch die Fassreifung spürbar und prägt den charakteristischen Stil des Whiskys maßgeblich mit.

Wann wurde Highland Park gegründet?

Highland Park geht der Überlieferung nach auf illegales Brennen des Schwarzbrenners Magnus Eunson in den 1790er Jahren zurück, offiziell lizenziert wurde die Destillerie 1826. Seither wird auf dem Gelände oberhalb von Kirkwall ununterbrochen Single Malt Scotch Whisky produziert, heute unter dem Dach der schottischen Spirituosengruppe The Edrington Group.

Warum betreibt Highland Park eine eigene Mälzerei?

Highland Park ist eine von wenigen Destillerien, die noch traditionelle Floor Maltings betreiben, um rund 20 % des eigenen Malzbedarfs selbst zu produzieren. Das ermöglicht der Brennerei volle Kontrolle über Torfgrad und Röstung der Gerste und unterstreicht das handwerkliche Selbstverständnis von Highland Park, auch wenn der Großteil des Malzes zugekauft wird.

Was macht den Orkney-Torf bei Highland Park besonders?

Der Torf für Highland Park stammt aus dem baumlosen Hobbister Moor auf Orkney und besteht überwiegend aus Heidekraut statt aus verrottetem Holz wie auf Islay. Beim Räuchern entsteht dadurch ein milderer, blumig-aromatischer Rauch statt der medizinisch-maritimen Note klassischer Islay Whiskys, was Highland Park einen deutlich zurückhaltenderen Raucheinsatz verleiht.

Warum setzt Highland Park so stark auf Sherryfässer?

Highland Park reift seinen Whisky überwiegend in Fässern aus europäischer und amerikanischer Eiche, die eigens in Jerez mit Oloroso-Sherry vorbereitet werden. In Kombination mit dem stabilen, feuchten Orkney-Klima und der niedrigen Verdunstungsrate entstehen so die typischen Aromen von getrockneten Früchten und Honig, die den Hausstil der Destillerie maßgeblich prägen.

Warum wird Highland Park mit Wikingern in Verbindung gebracht?

Die Orkney-Inseln gehörten historisch zum Herrschaftsgebiet der Wikinger, bevor sie im 15. Jahrhundert an Schottland fielen. Highland Park griff diese Geschichte über Jahre mit Zweitnamen wie Viking Honour und Viking Pride sowie der Sonderserie Viking Legend auf, bevor die Destillerie ihr Erscheinungsbild 2024 zugunsten eines reduzierteren, stärker auf Orkney selbst fokussierten Designs überarbeitete.