Port Ellen – Islay Single Malt seit 1825, wiedereröffnet 2024

Port Ellen gilt als die berühmteste „Ghost Distillery" Schottlands, im deutschsprachigen Raum meist als „Lost Distillery" bezeichnet – 1983 stillgelegt, wurde die Brennerei über vier Jahrzehnte zum Mythos, bevor sie am 19. März 2024 nach einer Investition von 185 Mio. Pfund wiedereröffnete. Zwischen 1967 und 1983 produzierter Single Malt Scotch Whisky erzielt bei Auktionen seit Jahren Höchstpreise; ein einzelnes Fass aus dem Jahr 1979 wechselte 2022 für 875.000 Pfund den Besitzer. Die neue Brennerei destilliert seit 2024 wieder auf dem historischen Gelände am Kilnaughton Bay, mit exakt nachgebauten „Phoenix Stills" und einem eigenen Paar kleinerer Experimental Stills für die Erforschung von Raucharomen. Ein rauchiger Whisky mit einer derartigen Geschichte ist selbst unter den schottischen Lost Distilleries eine Ausnahme – nur die Schwesterbrennerei Brora durchlief einen vergleichbaren Weg zurück ins Leben. Erste eigene Abfüllungen aus der neuen Produktion werden aber noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Port Ellen auf einen Blick

Gegründet

1825

Als Malzmühle von Alexander Kerr Mackay gegründet; ab 1833 baute John Ramsay den Betrieb zur vollwertigen Brennerei aus.

Region

Islay

Eine der legendärsten Islay-Brennereien für Single Malt Whisky überhaupt – nach 41 Jahren Stillstand seit 2024 wieder in Betrieb.

Lage

Kilnaughton Bay, Port Ellen

Direkt am Ort Port Ellen an der Südküste der Insel gelegen, mit Blick über die Bucht zum Carraig-Fhada-Leuchtturm.

Eigentümer

Diageo

Seit 1925 in Konzernhand (zunächst Distillers Company Limited); die Wiederbelebung ab 2017 kostete gemeinsam mit der Schwesterbrennerei Brora rund 185 Mio. Pfund.

Stills

2 Phoenix Stills + 2 Experimental Stills

Die Phoenix Stills sind originalgetreue Nachbauten der 1967er-Anlage (2 Wash- und 2 Spirit-Brennblasen mit rund 28.000 bzw. 25.000 l, zwiebelförmig); die kleineren Experimental Stills arbeiten im Maßstab 1:3 für neue Stilrichtungen.

Kapazität

rund 1,7 Mio. Liter/Jahr

Die neue Brennerei läuft bewusst deutlich unter Volllast – Qualität steht vor Quantität im Zentrum der Strategie.

Geschmack, Stil und Charakter – was Port Ellen ausmacht

Die seltenen Altbestände aus der Produktionszeit zwischen 1967 und 1983 gelten als eleganter, maritimer Islay Single Malt Scotch Whisky mit einer für Islay ungewöhnlichen Finesse. In der Nase zeigen sich Rauch und feine Zitrusfrucht, oft begleitet von einer salzigen Meeresbrise. Am Gaumen entfaltet sich eine ölige Textur mit rauchig-süßer Balance, die viele Liebhaber als das eigentliche Markenzeichen von Port Ellen beschreiben. Der Abgang ist lang und rauchig, mit einer natürlichen Fruchtigkeit, die auch nach Jahrzehnten in Fässern erhalten bleibt. Genau dieses Profil versucht die neue Brennerei mit den originalgetreuen Phoenix Stills wieder einzufangen. Die Gerste wird auf rund 35 ppm Phenolgehalt getorft, im fertigen New Make Spirit sinkt der Wert durch die Destillation auf etwa 12 ppm – deutlich rauchiger als die meisten Speyside-Malts, aber feiner ausbalanciert als etwa Ardbeg oder Laphroaig. Ein rauchiger Whisky mit dieser Eleganz ist selbst unter Islay-Malts eine Seltenheit.

Wie sich der neue Spirit nach Jahren der Fassreifung tatsächlich entwickelt, bleibt noch offen: Die ersten Abfüllungen aus eigener 2024er-Produktion werden frühestens in einigen Jahren erwartet. Bis dahin prägen ausschließlich die seltenen Altbestände sowie unabhängige Abfüllungen das Bild von Port Ellen am Markt.

💡 Wissenswertes: Weder Destillerie-Managerin Ali McDonald noch Master-Blenderin Aimée Morrison waren geboren, als Port Ellen 1983 stillgelegt wurde – beide leiten heute trotzdem die originalgetreue Neuauflage der Brennerei. Laut einem Diageo-Mitarbeiter wurden die ursprünglichen Brennblasen nach der Schließung an eine Brennerei in Indien verkauft; was danach mit ihnen geschah, ist jedoch unbekannt.

Port Ellen – von der Malzmühle zur Lost Distillery

Der schottische Großgrundbesitzer Walter Frederick Campbell gründete 1821 das Dorf Port Ellen und benannte es nach seiner Frau Eleanor. Nur vier Jahre später errichtete der Kaufmann Alexander Kerr Mackay dort eine Malzmühle – der Ursprung der heutigen Brennerei. Mackay geriet schon wenige Monate nach Produktionsstart in finanzielle Schwierigkeiten und musste den Betrieb an Verwandte abgeben. Ab 1833 übernahm John Ramsay, ein Cousin eines der neuen Eigentümer, die Leitung und baute die Anlage zu einer vollwertigen Whiskybrennerei aus. Gemeinsam mit Campbell etablierte er zudem Islays ersten Dampfschiffdienst nach Glasgow – ein wichtiger Baustein für den wirtschaftlichen Aufstieg der Brennerei.

Ramsay leitete Port Ellen bis zu seinem Tod 1892, danach führte seine Witwe Lucy den Betrieb bis 1906 weiter, gefolgt von ihrem Sohn Captain Iain Ramsay. 1920 verkaufte die Familie an die Blender John Dewar und James Buchanan, 1925 ging die Brennerei schließlich in der stetig wachsenden Distillers Company Limited (DCL) auf. Die Weltwirtschaftskrise und der Einbruch des US-Marktes durch die Prohibition führten 1930 zur ersten Stilllegung, die 37 Jahre andauerte. Erst 1967 modernisierte DCL die Anlage und erhöhte die Zahl der Brennblasen von zwei auf vier – zwei zwiebelförmige Wash-Brennblasen mit je rund 28.000 Litern und zwei kleinere Spirit-Brennblasen mit je rund 25.000 Litern, ursprünglich mit mechanischen Kohlestokern beheizt, später auf dampfbeheizte Coils umgerüstet; 1973 kam eine große Trommelmälzerei hinzu, die bis heute als Port Ellen Maltings nahezu alle Brennereien der Insel mit Malz versorgt. Als die schottische Whiskyindustrie in den frühen 1980er-Jahren unter massiver Überproduktion litt – dem sogenannten „Whisky Loch" –, traf es Port Ellen 1983 als eine von mehreren DCL-Brennereien auf Islay besonders hart: Die Anlage wurde endgültig stillgelegt, Teile der Gebäude abgerissen und die Kupferbrennblasen entfernt.

Wichtige Stationen der Produktionsgeschichte

  • 1825: Gründung als Malzmühle durch Alexander Kerr Mackay.
  • 1833: Ausbau zur Whiskybrennerei unter John Ramsay.
  • 1925: Übernahme durch die Distillers Company Limited (DCL).
  • 1930–1967: Erste Stilllegung über 37 Jahre.
  • 1983: Endgültige Schließung im Zuge des „Whisky Loch".
  • 2024: Wiedereröffnung nach 185 Mio. Pfund Investition.

Port Ellen Fassreifung und das Erbe der Altbestände

Historisch reifte Port Ellen zu rund 80 % in Bourbonfässern und zu etwa 20 % in Sherryfässern – überwiegend in bereits mehrfach befüllten Refill-Fässern, damit der feine Rauchcharakter nicht von zu viel Holzeinfluss überdeckt wird. Da die Brennerei zwischen 1983 und 2024 keinen eigenen Single Malt Scotch Whisky produzierte, stammt praktisch der gesamte heute verfügbare Port Ellen aus dieser historischen Fassreifung – ein endliches, stetig schrumpfendes Angebot, das den Ruf der Marke als Sammlerobjekt erst begründet hat.

Neben den offiziellen Diageo-Abfüllungen tauchen Port-Ellen-Fässer regelmäßig auch bei unabhängigen Abfüllern wie Douglas Laing, Signatory Vintage und Gordon & MacPhail auf – häufig als Single Cask in Fassstärke (Cask Strength) mit Jahrzehnten an Reifezeit und entsprechend hohen Preisen bei Auktionen und im Fachhandel. Für besonders seltene Neuauflagen wie Port Ellen Gemini greift Diageo teilweise auch auf europäische Eichenfässer zurück, die dem Whisky eine dunklere, würzigere Tiefe verleihen als die klassischen Bourbon- und Sherryfässer – beim Gemini reifte allerdings nur einer der beiden Whiskys darin, der zweite in einem alten Fass aus der ursprünglichen Brennerei.

Fassarten und ihr Aromabeitrag

  • Refill-Bourbonfässer: Dezente Holznote, lässt Rauch und Frucht dominieren – historisch der Hauptanteil.
  • Sherryfässer: Dunkle Frucht und Würze, ergänzt die maritime Rauchigkeit.
  • European-Oak-Fässer: Kommen teilweise bei seltenen Neuauflagen wie dem Port Ellen Gemini zum Einsatz.

Port Ellen Annual Releases und unabhängige Abfüller

Seit den 2000er-Jahren veröffentlicht Diageo im Rahmen der Special-Releases-Reihe jährlich limitierte Port-Ellen-Abfüllungen aus den letzten verbliebenen Fässern – meist mit Altersangaben von 30 Jahren oder mehr. Diese Annual Releases zählen zu den am meisten gesuchten Scotch-Whisky-Abfüllungen überhaupt und stehen bei Sammlern seit Jahren für eine besonders verlässliche Wertsteigerung, mit regelmäßigen Rekordpreisen bei Auktionen. Zur Wiedereröffnung 2024 erschien mit dem Port Ellen Gemini erstmals seit Jahrzehnten eine komplett neue Rarität: ein Zwillingsset aus zwei 44 Jahre alten Whiskys, destilliert 1978 und in unterschiedlichen Fässern gereift – limitiert auf nur 274 Sets zum Preis von 45.000 Pfund.

Für alle, die keinen fünfstelligen Betrag investieren möchten, bleiben unabhängige Abfüllungen häufig der einzige realistische Zugang zu echtem Port Ellen Single Malt Whisky – auch hier bewegen sich die Preise inzwischen meist im vierstelligen Bereich.

Wichtige Port-Ellen-Abfüllungen im Überblick

  • Diageo Annual/Special Releases: Jährliche Abfüllungen aus den letzten Altbeständen, meist 30+ Jahre.
  • Port Ellen Gemini (2024): 44 Jahre, Zwillingsset, nur 274 Exemplare.
  • Unabhängige Abfüllungen: Douglas Laing, Signatory Vintage, Gordon & MacPhail – meist als Single Cask.
⭐ FASSGEIST-Einschätzung – Port Ellen
Wer Port Ellen kaufen möchte, muss aktuell auf spezialisierte Auktionshäuser oder den Fachhandel ausweichen: Die seltenen Altbestände und offiziellen Diageo-Sonderabfüllungen bewegen sich preislich meist im vier- bis fünfstelligen Bereich – für unser Sortiment aktuell keine praktikable Option. Für neue Port-Ellen-Abfüllungen aus eigener Produktion bleiben wir am Ball und ergänzen unser Sortiment, sobald sie erhältlich sind. Bis dahin findet sich mit Ardbeg, Laphroaig oder Caol Ila bei uns ein rauchiger Whisky im vergleichbar maritimen Islay-Stil.

Die Wiedereröffnung 2024 – Phoenix Stills und Atlas of Smoke

Nach der Ankündigung 2017 investierte Diageo gemeinsam mit der Wiederbelebung der Brennerei Brora insgesamt rund 185 Mio. Pfund in die Rückkehr der beiden legendären Lost Distilleries. Am 19. März 2024 nahm Port Ellen nach 41 Jahren Stillstand offiziell wieder den Betrieb auf – termingerecht zum bevorstehenden 200-jährigen Bestehen der Brennerei 2025. Herzstück der neuen Anlage sind die sogenannten Phoenix Stills: anhand historischer Konstruktionspläne exakt nachgebaute Brennblasen, die den klassischen Port-Ellen-Spirit der Jahre 1967 bis 1983 so originalgetreu wie möglich reproduzieren sollen.

Daneben verfügt die Brennerei über ein kleineres Experimentierpaar im Maßstab 1:3 sowie einen zehnteiligen Spirit Safe, der äußerst feine Schnitte beim Übergang in den Herzlauf erlaubt. Unter der Leitung von Master-Blenderin Aimée Morrison widmet sich das hauseigene Labor dem Langzeitprojekt „Atlas of Smoke" – einer systematischen Erforschung, wie unterschiedliche Faktoren von der Torfquelle bis zum Kondensationspunkt den Rauchcharakter eines Whiskys prägen. Die gesamte Anlage ist von Grund auf klimaneutral konzipiert.

⭐ FASSGEIST-Einschätzung – Die Wiedereröffnung
Bis die ersten Whiskys aus der neuen Produktion überhaupt abfüllfähig sind, werden noch einige Jahre vergehen – Diageo hat bislang keinen Zeitplan für eine erste reguläre Abfüllung genannt. Für Islay-Enthusiasten bleibt die Wiedereröffnung trotzdem eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre: Sollte es gelingen, den legendären Charakter der Altbestände auch nur annähernd zu treffen, dürfte Port Ellen langfristig wieder zu den gefragtesten Namen der Insel zählen.

Rauchige Islay Whiskys bei FASSGEIST entdecken

Sobald Whiskys aus der neuen Port-Ellen-Produktion seit 2024 verfügbar sind, nehmen wir sie in unser Sortiment auf. Bis dahin findest du bei FASSGEIST eine große Auswahl an anderen rauchigen Islay Single Malt Whiskys – von Klassikern bis zu seltenen Einzelfassabfüllungen unabhängiger Abfüller.

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Dieser Artikel ist Teil des FASSGEIST Whisky Lexikons – verfasst vom FASSGEIST-Redaktionsteam auf Basis von Brennerei-Dokumentationen und Fachpublikationen zur Geschichte und Wiedereröffnung von Port Ellen.

Port Ellen Brennerei: Fragen und Antworten

Wann wurde Port Ellen gegründet?

1825 entstand zunächst eine Malzmühle unter dem Kaufmann Alexander Kerr Mackay, nur vier Jahre nach Gründung des gleichnamigen Dorfes durch Walter Frederick Campbell. Ab 1833 baute John Ramsay den Betrieb zu einer vollwertigen Whiskybrennerei aus. Nach mehreren Eigentümerwechseln ging Port Ellen 1925 in der Distillers Company Limited auf. Die Brennerei feiert damit 2025 ihr 200-jähriges Bestehen – parallel zur Wiedereröffnung nach jahrzehntelangem Stillstand.

Warum heißt Port Ellen eine „Lost Distillery"?

Als „Lost Distillery" – international auch „Ghost Distillery" genannt – bezeichnet man stillgelegte Brennereien, deren Whisky wegen begrenzter Restbestände immer seltener und wertvoller wird. Port Ellen wurde 1983 im Zuge der Überproduktionskrise „Whisky Loch" geschlossen und blieb 41 Jahre außer Betrieb. In dieser Zeit avancierte die Marke zu einer der meistgesuchten Raritäten der Scotch-Whisky-Welt – 2022 wechselte ein Fass aus dem Jahr 1979 für 875.000 Pfund den Besitzer.

Wann wurde Port Ellen wiedereröffnet?

Am 19. März 2024 nahm Port Ellen nach 41 Jahren Stillstand offiziell wieder den Betrieb auf. Möglich wurde die Wiedereröffnung durch eine rund 185 Mio. Pfund schwere Investition von Diageo, die gemeinsam mit der Wiederbelebung der Brennerei Brora erfolgte. Herzstück sind die originalgetreu nachgebauten Phoenix Stills, ergänzt um ein kleineres Experimentierpaar für neue Whiskystile.

Gibt es Port Ellen Whisky bei FASSGEIST zu kaufen?

Aktuell nicht, da die verbliebenen Altbestände dieses Islay Single Malt Scotch Whiskys aus der Produktionszeit vor 1983 extrem begrenzt sind und meist über spezialisierte Auktionshäuser oder zu sehr hohen Preisen im Fachhandel gehandelt werden. Sobald Whiskys aus der neuen Produktion seit 2024 verfügbar sind, nehmen wir Port Ellen in unser Sortiment auf. Als rauchig-maritime Alternative führt FASSGEIST schon jetzt unter anderem Ardbeg, Laphroaig und Caol Ila.

Was ist Port Ellen Gemini?

Port Ellen Gemini ist ein Zwillingsset aus zwei 44 Jahre alten Single Malt Whiskys, die 1978 destilliert und anschließend in unterschiedlichen Fässern – darunter ein Fass aus der ursprünglichen Brennerei – gereift wurden. Das Set erschien 2024 zur Wiedereröffnung als erste komplett neue Rarität seit Jahrzehnten, limitiert auf nur 274 Sets zu einem Preis von 45.000 Pfund pro Set.