Caol Ila Brennerei
Islays bestgehütetes Whisky-Geheimnis
Wenn Whisky-Enthusiasten an Islay denken, fallen ihnen meist Namen wie Laphroaig, Ardbeg oder Lagavulin ein. Diese Brennereien sind weltberühmt für ihre intensiv getorften Single Malt Scotch Whiskys und ziehen Jahr für Jahr tausende Besucher auf die kleine schottische Insel. Doch im Schatten dieser berühmten Destillerien arbeitet seit 1846 ein stiller Gigant: Caol Ila. Mit einer jährlichen Produktionskapazität von über 6,5 Millionen Litern reinem Alkohol ist die Caol Ila Brennerei nicht nur die größte Brennerei auf Islay, sondern auch eine der produktionsstärksten in ganz Schottland - und produziert damit mehr rauchigen Islay Whisky als Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg zusammen.
Der Name Caol Ila - ausgesprochen Cull Eela - stammt aus dem Schottisch-Gälischen und bedeutet "Sund von Islay". Er verweist auf die Meerenge zwischen Islay und der benachbarten Insel Jura, die direkt vor den Fenstern des Stillhouse liegt. Diese geografische Lage prägt nicht nur den Namen, sondern auch den Charakter des hier produzierten torfigen Single Malt Scotch Whisky - maritim, rauchig und doch überraschend elegant.
Was Caol Ila besonders macht, ist die elegante Balance zwischen rauchigem Islay-Charakter und einer überraschenden Leichtigkeit und Frische. Während etwa 85 bis 95 Prozent der Produktion in weltberühmte Blends wie Johnnie Walker Black Label und Double Black fließen, hat sich Caol Ila in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch als eigenständiger Single Malt einen exzellenten Ruf erarbeitet.
Erlebe Caol Ila Whisky. Erlebe die elegante Rauchigkeit der Region Islay.
Caol Ila Whiskys bei FASSGEIST entdeckenInhalt dieser Seite
- Caol Ila auf einen Blick – Daten & Fakten
- Die Caol Ila Brennerei: Lage, Architektur und Besuch
- Das Caol Ila Single Malt Whisky Sortiment
- Wie Caol Ila Whisky hergestellt wird
- Die Geschichte von Caol Ila: Von 1846 bis heute
- Caol Ila: Der unterschätzte Champion unter den Islay Single Malts
- Caol Ila Whisky: Fragen und Antworten
Von der versteckten Bucht am Sound of Islay bis in die Gläser von Whisky-Liebhabern weltweit – Caol Ila verbindet traditionelle Handwerkskunst mit industrieller Präzision. Während die Brennerei den Löwenanteil ihrer Produktion für Johnnie Walker und andere Blends liefert, hat sie sich längst auch als eigenständiger Single Malt einen Namen gemacht. Ihr eleganter, sanft rauchiger Charakter unterscheidet sich deutlich von den kräftigen Nachbarn im Süden der Insel. Die folgenden Abschnitte führen durch alle Facetten dieser außergewöhnlichen Islay-Brennerei – von den technischen Daten über das Sortiment und die Produktion bis hin zur bewegten Geschichte seit 1846.
Caol Ila auf einen Blick – Daten & Fakten
| Land | Schottland |
| Region | Islay |
| Gründungsjahr | 1846 (gegründet von Hector Henderson) |
| Besitzer | Diageo (seit 1997) |
| Bedeutung des Namens | Caol Ìle – „Sund von Islay" bzw. „Meerenge von Islay" (Schottisch-Gälisch) |
| Aussprache | Cull-ila |
| Status | Geöffnet |
| Jährliche Produktionskapazität | 6,5 Millionen Liter reiner Alkohol |
| Maischbottich (mash tun) | Ein Full-Lauter Mash Tun aus Edelstahl, 12,5 Tonnen Kapazität |
| Gärtanks (wash backs) | 10 insgesamt: 8 aus Oregon-Kiefer, 2 aus Edelstahl, je ca. 58.000–62.000 Liter Kapazität |
| Brennstufe 1 | 3 Wash Stills, je ca. 35.000 Liter Kapazität |
| Brennstufe 2 | 3 Spirit Stills, je ca. 29.500 Liter Kapazität |
| Destillationsmethode | Zweifach (traditionelle schottische Methode) |
| Besonderheiten | Größte Brennerei auf Islay, spektakuläres Stillhouse mit Panoramafenstern und Blick auf die Paps of Jura, produziert ca. 95 % für Blends (v.a. Johnnie Walker Black Label und Double Black), seit 1999 auch ungetorfter „Highland Style" Whisky, komplett neu gebaut 1972–1974, Teil der Diageo Classic Malts Serie (seit 2006), „The Islay Home of Johnnie Walker" (seit 2022) |
| Adresse | Caol Ila Distillery Port Askaig Isle of Islay PA46 7RL Schottland Tel: +44 (0)1496 302760 Homepage der Brennerei: https://www.malts.com/en/distilleries/caol-ila |
| Öffnungszeiten | März–Oktober: täglich 10:00–17:00 Uhr, November–Februar: Mo–Sa 10:00–16:00 Uhr (Vorabreservierung empfohlen) |
| Hausstil | Eleganter, zugänglicher Islay-Charakter mit sanftem Torfrauch und maritimen Noten. Typische Aromen von Meersalz, Seetang, Zitrusfrüchten und frischer Birne. Dezente Süße aus Honig und Vanille durch Ex-Bourbon-Fass-Reifung. Leichter und fruchtiger als die südlichen Islay-Brennereien, mit pfeffrigen und floralen Akzenten. Mittlerer Körper, ölige Textur, langer rauchiger Abgang. |
Die Caol Ila Brennerei – Lage, Architektur und Besuch
Caol Ila 18 Jahre
Versteckt am Sound of Islay – Der perfekte Standort
Die Caol Ila Brennerei befindet sich an der nordöstlichen Küste von Islay, etwa 2,4 Kilometer (1,5 Meilen) vom Fährhafen Port Askaig entfernt und direkt an der Straße A846 gelegen. Der Standort liegt versteckt in einer malerischen Bucht, eingebettet zwischen steilen Klippen und dem Meer. Von hier aus blickt man direkt über den Sound of Islay auf die imposanten Paps of Jura – die markanten Bergspitzen der Nachbarinsel, die sich über 700 Meter in den oft wolkenverhangenen Himmel erheben. Der Name Caol Ila stammt aus dem Gälischen "Caol Ile" und bedeutet wörtlich "Sund von Islay" oder "Meerenge von Islay" - eine direkte Referenz an diese Wasserstrecke, die Islay von Jura trennt.
Die abgelegene Position war bei der Gründung 1846 kein Nachteil, sondern ein strategischer Vorteil. Gründer Hector Henderson wählte den Standort gezielt wegen des direkten Zugangs zum Meer, der erstklassigen Wasserquelle im nahegelegenen Loch nam Ban und der Nähe zu den ausgedehnten Torfmooren der Insel. Bei der Gründung gab es noch keine Straße zum Standort - alle Waren mussten per Schiff transportiert werden.
Für mehr als 100 Jahre brachten kleine kohlebefeuerte Dampfschiffe, die sogenannten "Puffers", Gerste, Kohle und leere Fässer zur Brennerei und nahmen den fertigen Whisky mit aufs Festland. Diese robusten Frachtschiffe waren das Rückgrat der Versorgung auf den schottischen Inseln. Der berühmte Puffer "Pibroch" bediente die Caol Ila Brennerei ab den 1920er Jahren wöchentlich und wurde 1957 durch ein Nachfolgeschiff gleichen Namens ersetzt. Historische Fotografien im neuen Besucherzentrum zeigen diese Szenen aus einer vergangenen Ära. 1857 wurde ein eigener Pier gebaut an dem Schiffe bei jedem Wasserstand anlegen konnten. 1972 verließ der letzte Puffer den alten Holzpier - das Ende einer Ära.
In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich weitere Brennereien: Die Ardnahoe Distillery liegt etwa 4,6 Kilometer (2,9 Meilen) entfernt, die Bunnahabhain Distillery knapp 7 Kilometer (4,3 Meilen) nördlich. Während die südlichen Brennereien der Insel - Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig - oft von Touristen überrannt werden, bewahrt die Nordostküste noch immer eine gewisse Abgeschiedenheit. Der Weg nach Caol Ila führt über eine einspurige Straße, durch eine spektakuläre Landschaft aus Moorland und dramatischen Küstenabschnitten.
"Mein absoluter Liebling unter den Islay Whiskys. Caol Ila 12 Jahre hat diesen wunderbaren Rauch der nicht erschlägt, sondern elegant umschmeichelt. Perfekt für den Einstieg in die Torfwelt."
Glasfenster mit Panoramablick – Die moderne Brennerei-Architektur
Die heutigen Gebäude von Caol Ila sind das Ergebnis eines kompletten Neubaus in den Jahren 1972 bis 1974. Im April 1972 wurde die Produktion eingestellt und der Abriss begann. Vom ursprünglichen viktorianischen Brennereigebäude mit seinen zwei charakteristischen Pagodendächern blieb nur das eindrucksvolle dreistöckige Lagerhaus erhalten, das den Namen der Brennerei in großen schwarzen Buchstaben trägt. Dieses historische Gebäude beherbergt heute das neue Besucherzentrum.
Die neuen Produktionsgebäude wurden vom Architekten George Leslie Darge entworfen. Darge wurde 1919 in Edinburgh geboren und folgte seinem Vater in das Familienunternehmen Darge und Thomas, eine Firma für Baukostenermittlung und Architektur. Nach dem Dienst bei der Royal Artillery in Indien studierte er Architektur am Edinburgh College of Art. 1953 zog er nach Speyside, um einem neu gegründeten Team von Architekten, Vermessern und Ingenieuren bei Scottish Malt Distillers (einer Tochter der DCL) beizutreten. Bald wurde er zum Chefarchitekten befördert - eine Position, die er 28 Jahre lang innehatte. Insgesamt arbeitete Darge an 46 Brennereien, darunter Caol Ila als sein letztes großes Projekt.
Darges Markenzeichen sind die großen verglasten Vorhangfassaden der Stillhouses - und bei Caol Ila erreicht dieses Konzept seinen Höhepunkt. Die raumhohen Fenster des Brennhauses bieten einen atemberaubenden Panoramablick über den Sound of Islay. Dieses Design war von den hohen Fenstern des DCL-Bürogebäudes in Glasgows Waterloo Street inspiriert. Die Verglasung ermöglichte ursprünglich eine effizientere Wärmeableitung und erleichterte den Austausch von Brennblasen - heute zieht sie Besucher aus aller Welt an. Ein früherer Brennereimanager soll seinen Schreibtisch gegen eine Wand gestellt haben um nicht ständig vom atemberaubenden Blick auf Jura abgelenkt zu werden.
Beim Neubau wurde die Anzahl der Brennblasen von zwei auf sechs erhöht. Die neuen kupfernen Pots wurden per Lastkahn angeliefert und am neuen Pier entladen - eine Szene, die an frühere Zeiten erinnerte. Die Arbeiter setzten die zwiebelförmigen Böden und Schultern der Brennblasen ein, installierten die Hälse und Kondensatoren und bauten dann die neue Brennerei darum herum auf. Am 30. Januar 1974 nahm die neue Brennerei ihren Betrieb auf. Das gleiche Design wurde auch beim Umbau von Linkwood, Glen Ord und Clynelish verwendet.
Caol Ila besuchen: Das Visitor Centre seit 2022
Am 25. August 2022 eröffnete Diageo das komplett renovierte Besucherzentrum von Caol Ila - der Abschluss eines vierjährigen Bauprojekts und Teil der 185-Millionen-Pfund-Investition (ca. 217 Millionen US-Dollar) des Konzerns in schottischen Whisky-Tourismus. Mit der Eröffnung wurde Caol Ila offiziell zum "Islay Home of Johnnie Walker" erklärt und reiht sich damit in ein Netzwerk von Premium-Besuchererlebnissen ein. Caol Ila ist das siebte von Diageos Whisky-Besucherzentren, welches im Rahmen dieses Investitionsprogramms umgestaltet wurde.
Als eine der vier "Four Corners"-Brennereien repräsentiert Caol Ila den Islay-Charakter im Johnnie Walker Blend. Die anderen drei Ecken sind Glenkinchie für die Lowlands, Cardhu für Speyside und Clynelish für die Highlands. Zusammen mit dem Johnnie Walker Princes Street Experience in Edinburgh bilden diese vier Brennereien ein einzigartiges Netzwerk für Whisky-Touristen. Caol Ila war die letzte der vier Brennereien, die ihre Renovierung abschloss.
Das neue Besucherzentrum wurde im historischen Lagerhaus untergebracht und verbindet moderne Architektur mit dem industriellen Erbe der Brennerei. Besucher betreten das Gebäude über eine neu errichtete Fußgängerbrücke aus Holz die vom Parkplatz auf der Hügelkuppe hinabführt. Dieser spektakuläre Zugang bietet bereits beim Betreten einen atemberaubenden Blick auf die Brennerei, den Sound of Islay und die Paps of Jura. Im Inneren erwarten Besucher interaktive Ausstellungsräume mit "immersiven Storytelling-Räumen", einen modernen Retail-Bereich und eine Bar mit raumhohen Fenstern und lokalem Speisenangebot.
Die Haupterfahrung ist die "Flavour Journey" - eine 90-minütige sensorische Tour die Besucher durch die vier Schlüsselaromen von Caol Ila führt - Rauch, verbrannten Zucker (Creme Brulee), Meersalz/Seetang und maritime Gewürze wie Nelken. Dies sind die vier Schlüsselelemente die dem Johnnie Walker Black Label und Double Black ihre rauchigen Charakteristiken verleihen. Wie alle 14 Diageo-Besucherzentren in Schottland trägt Caol Ila den Green Tourism Gold Award - die höchste Nachhaltigkeitsauszeichnung für Besucherattraktionen. Die Brennerei hat Einweg-Plastik eliminiert, setzt LED-Beleuchtung ein und verwendet Wärmetauscher zur Energieeinsparung. Der anfallende Treber (Draff) wird als Viehfutter an lokale Bauern abgegeben.
Zur feierlichen Eröffnung spielte der für den Mercury Prize nominierte schottische Jazzpianist Fergus McCreadie - dessen Musik von Schottlands Küsten und Inseln inspiriert ist - ein eigens für Caol Ila komponiertes Musikstück vor der spektakulären Panoramakulisse. Die Brennerei ist ganzjährig geöffnet - von März bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr und von November bis Februar Montag bis Samstag von 10 bis 16 Uhr. Jährlich findet eine "Silent Season" statt (typischerweise September bis November), während der die Produktion für Wartungsarbeiten pausiert, das Besucherzentrum aber geöffnet bleibt.
"Der Besuch im Besucherzentrum war ein Highlight unserer Islay-Reise. Der Blick aus dem Stillhouse auf die Paps of Jura ist atemberaubend – und die Flavour Journey Tour absolut empfehlenswert!"
Loch nam Ban: Das Wasser hinter dem Whisky
Das Produktionswasser für Caol Ila stammt aus dem Loch nam Ban (auch Torrabolls Loch genannt), einer Quelle in den Hügeln oberhalb der Brennerei. Das Wasser entspringt kalkhaltigem Untergrund und fließt durch torfhaltige Schichten sowie glaziale Ablagerungen bevor es in einem malerischen kleinen Wasserfall direkt neben der Brennerei ins Meer mündet. Diese einzigartige geologische Passage verleiht dem Wasser einen hohen Mineralgehalt und eine lebhafte Mineralität.
Im Gegensatz zu den südlichen Islay-Brennereien deren Wasser über harte Quarzithügel fließt und dadurch weicher und torfiger ist bringt das kalkhaltige Wasser von Caol Ila eine zusätzliche mineralische Dimension in den Spirit. Diese Mineralität wird von Experten als einer der Gründe genannt warum sich Caol Ila trotz identischem Malz so deutlich von seinen südlichen Nachbarn unterscheidet.
Der Gründer Hector Henderson wählte den Standort nicht zuletzt wegen dieser erstklassigen Wasserquelle. Historische Berichte dokumentieren, dass das Wasser unter einem Druck von 130 Pfund pro Quadratzoll aus dem Loch kam und früher zwei Turbinen sowie die Dampfkessel der Brennerei antrieb - ein frühes Beispiel für die Nutzung von Wasserkraft in der Whisky-Produktion.
Diageo und die wirtschaftliche Bedeutung für Islay
Caol Ila gehört heute zu Diageo, dem weltweit größten Spirituosenkonzern mit Sitz in London. Innerhalb des Diageo-Portfolios nimmt Caol Ila eine Schlüsselposition ein: Als "Volume Distillery" und größte Brennerei auf Islay produziert sie über 6,5 Millionen Liter reinen Alkohol pro Jahr - mehr als Lagavulin (ca. 2,6 Millionen Liter) und Laphroaig (ca. 3,3 Millionen Liter) zusammen.
Etwa 85 bis 95 Prozent der Produktion fließen in Blended Whiskys, allen voran Johnnie Walker Black Label und Double Black, wo Caol Ila den charakteristischen rauchigen Islay-Charakter liefert. Weitere Blends, die Caol Ila enthalten, sind Bells, White Horse, Scottish Leader, JB und Black Bottle. Bis 2002 gab es keine offizielle Single-Malt-Standardabfüllung - unabhängige Abfüller waren jahrzehntelang die einzige Möglichkeit, Caol Ila als Single Malt zu erleben.
Die wirtschaftliche Bedeutung für die lokale Gemeinschaft ist erheblich. Als einer der größten Arbeitgeber auf der Nordseite von Islay bietet die Brennerei stabile Beschäftigung, wobei heute elf Mitarbeiter die Arbeit verrichten für die früher 32 Personen nötig waren - ein Zeichen der Automatisierung und Effizienzsteigerung seit dem Neubau 1974. Die Brennerei betreibt aktuell etwa 24 Maischvorgänge pro Woche im 24-Stunden-Betrieb.
🥃 Wusstest du? Caol Ila produziert mehr Whisky als Lagavulin, Laphroaig und Ardbeg zusammen – und doch kennen die meisten Whisky-Trinker nur die südlichen Nachbarn. Der Grund: Bis zu 95 % der Produktion verschwinden in Blends wie Johnnie Walker.
Caol Ila Whisky: Das offizielle Kernsortiment
Erst im Jahr 2002 brachte Diageo die ersten offiziellen Single-Malt-Abfüllungen von Caol Ila auf den Markt - zuvor war die Brennerei ausschließlich als Lieferant für Blended Whiskys bekannt und Single-Malt-Liebhaber mussten auf Abfüllungen unabhängiger Abfüller zurückgreifen. Die Einführung des Kernsortiments markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Brennerei und machte ihren charakteristischen Stil erstmals einem breiten Publikum zugänglich. Heute umfasst die Core Range mehrere Expressionen die alle den typischen Caol-Ila-Charakter teilen: elegant-rauchig, maritim geprägt und überraschend zugänglich für einen Islay-Whisky.
Caol Ila 12 Jahre
Caol Ila 12 Jahre ist das Herzstück des Sortiments und die meistverkaufte Abfüllung der Brennerei. Mit 43 % vol abgefüllt repräsentiert er den klassischen Hausstil in seiner reinsten Form. Dieser Whisky reift überwiegend in ehemaligen Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche. Dies verleiht ihm eine goldgelbe Farbe und dezente Vanillenoten ohne den Torfcharakter zu überlagern. Das Geschmacksprofil verbindet eleganten Torfrauch mit frischen Zitrusnoten, maritimen Akzenten wie Seetang und Meersalz sowie einer sanften Süße aus Honig und Vanille. Anders als die oft dominanten Torfwhiskys aus dem Süden Islays präsentiert sich der 12-Jährige ausgewogen und zugänglich. Er gilt vielen Experten als idealer Einstieg in die Welt der getorften Islay-Whiskys und hat bei der San Francisco World Spirits Competition zwischen 2005 und 2010 zwei Doppelgold-, drei Gold- und eine Silbermedaille gewonnen.
Caol Ila 18 Jahre
Caol Ila 18 Jahre repräsentiert die reife, komplexere Seite der Brennerei. Ebenfalls mit 43 % vol abgefüllt zeigt dieser Whisky eindrucksvoll wie sich der Caol-Ila-Charakter mit zusätzlicher Fassreife entwickelt. Die längere Zeit im Holz hat den Torf nicht gedämpft, sondern harmonisch integriert und um zusätzliche Schichten von Komplexität bereichert. Das Geschmacksprofil offenbart einen subtileren, eleganteren Rauchschleier, begleitet von Noten wie Seetang und Meeresluft, reifen Zitrusfrüchten, Pfefferminz und Karamell. Dazu gesellen sich würzige Elemente wie schwarzer Pfeffer, Nelken und ein Hauch von Lebkuchen. Die längere Reifung bringt auch cremigere Texturen und Anklänge von dunkler Schokolade und Lakritze hervor. Der 18-Jährige wird häufig als einer der besten 18-jährigen Single Malts überhaupt bezeichnet und bietet ein außergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis in seiner Altersklasse.
"Caol Ila 18 Jahre ist für mich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in dieser Altersklasse. Komplex, elegant und mit diesem unverwechselbaren maritimen Charakter. Mein Whisky für besondere Abende."
Caol Ila 25 Jahre
Caol Ila 25 Jahre ist die Premium-Abfüllung des Kernsortiments und wurde erstmals 2010 mit 43 % vol als reguläre Expression eingeführt nachdem es zuvor nur Fassstärke-Editionen gab. Ein Vierteljahrhundert Reifung hat diesem Whisky eine bemerkenswerte Tiefe und Raffinesse verliehen. Das Geschmacksprofil zeigt einen weichen, fast seidigen Rauch, der sich mit komplexen Fruchtnoten, getrockneten Früchten, altem Leder und edlen Gewürzen verbindet. Die lange Fassreife bringt intensive Holzwürze, Tabak und einen Hauch von tropischen Früchten hervor während der maritime Charakter als feiner roter Faden erhalten bleibt. Dies ist ein Meditationswhisky für besondere Anlässe, der die volle Reifungsfähigkeit des Caol-Ila-Spirits unter Beweis stellt.
Caol Ila Moch
Caol Ila Moch - das gälische Wort für "Morgendämmerung" - wurde 2011 als NAS-Whisky (No Age Statement, ohne Altersangabe) eingeführt. Mit 43 % vol abgefüllt repräsentiert diese Expression einen bewusst leichteren, zugänglicheren Stil. Die Fässerauswahl erfolgt hier primär nach Geschmack und nicht nach Alter, was zu einem frischeren, jugendlicheren Charakter führt. Das Geschmacksprofil zeigt einen sanfteren Torfrauch als beim 12-Jährigen, begleitet von hellen Fruchtnoten wie grünen Äpfeln und Birnen, zarter Vanille, Honig und einem Hauch von Heu. Die maritime Salzigkeit ist subtil vorhanden und der Whisky präsentiert sich insgesamt weich und einladend. Moch eignet sich hervorragend für Whisky-Einsteiger die sich an getorften Islay-Whiskys herantasten möchten oder für Momente in denen ein leichterer Genuss gewünscht ist.
Caol Ila Distillers Edition
Die Caol Ila Distillers Edition erscheint jährlich und stellt eine besondere Variation des Hausstils dar. Nach der primären Reifung erhält dieser Whisky ein zusätzliches Finish in Moscatel-Sherryfässern aus Spanien was ihm eine besondere Dimension verleiht. Mit 43 % vol abgefüllt verbindet das Geschmacksprofil den charakteristischen Caol Ila Rauch mit der Süße getrockneter Früchte wie Rosinen, Feigen und Datteln. Das Moscatel Finish bringt zusätzliche Noten von Honig, kandierten Orangen und einem Hauch von Muskatnuss hervor die den maritimen und torfigen Charakter ergänzen ohne ihn zu dominieren. Die Distillers Edition zeigt eindrucksvoll wie gut sich der Caol Ila Spirit mit verschiedenen Fasstypen versteht und bietet eine süßere, festlichere Alternative zum klassischen 12-Jährigen.
Caol Ila Single Cask: Abfüllungen unabhängiger Abfüller
Caol Ila nimmt unter den Islay-Brennereien eine Sonderstellung ein, wenn es um die Verfügbarkeit bei unabhängigen Abfüllern (Independent Bottlers) geht. Während Fässer von Laphroaig, Ardbeg oder Lagavulin seit den frühen 2000er Jahren immer schwieriger zu beschaffen sind und entsprechend hohe Preise erzielen, ist Caol Ila nach wie vor vergleichsweise gut verfügbar und erschwinglich. Diese Situation hat historische Gründe: Bis zur Einführung des offiziellen Kernsortiments im Jahr 2002 waren unabhängige Abfüller praktisch die einzige Möglichkeit Caol Ila als Single Malt zu erleben. Die Brennerei belieferte fast ausschließlich den Blended-Whisky-Markt, was unabhängigen Händlern Zugang zu reichlich Fassbeständen verschaffte.
Die hohe Produktionskapazität von über 6,5 Millionen Litern pro Jahr sorgt dafür, dass auch heute noch genügend Fässer für den unabhängigen Markt übrig bleiben. Ein weiterer Vorteil: Die konstant hohe Qualität des Caol Ila Spirits macht es Experten zufolge schwer, wirklich schlechte Abfüllungen zu finden. Der Whisky verhält sich zudem ausgezeichnet in verschiedenen Fasstypen - ob Sherry, Port, Rum oder Wein - und entwickelt dabei interessante neue Geschmacksdimensionen ohne seinen charakteristischen Islay Charakter zu verlieren.
Zu den renommiertesten unabhängigen Abfüllern, die regelmäßig Caol Ila Abfüllungen anbieten gehören Gordon und MacPhail (gegründet 1895) mit ihrer Connoisseurs-Choice-Serie, Signatory Vintage mit verschiedenen Serien wie der Cask Strength Collection, Douglas Laing mit den Old Particular- und Old and Rare-Serien sowie Adelphi, Cadenheads, Berry Bros und Rudd und viele weitere. 1989 erschien Caol Ila erstmals in einer "halboffiziellen" Abfüllung als Teil der Flora und Fauna Serie von United Distillers. Besondere Anerkennung erhielt beispielsweise eine 12-jährige Caol Ila Abfüllung von Wilson und Morgan aus dem Jahr 1993, die 2005 bei den Malt Maniacs Awards eine Silbermedaille gewann.
Eine besondere Rolle spielt Caol Ila auch im beliebten Big Peat Blended Malt von Douglas Laing der 2009 eingeführt wurde. Dieser Islay Blend vereint Single Malts von Ardbeg, Bowmore, Caol Ila und sogar der geschlossenen Port Ellen Brennerei. Nach Einschätzung von Experten bildet Caol Ila dabei das Rückgrat des Blends und liefert die charakteristische Süße während die anderen Komponenten für Balance und Komplexität sorgen. Für Whisky-Liebhaber bieten unabhängige Abfüllungen eine hervorragende Möglichkeit die Vielseitigkeit des Caol Ila Spirits zu entdecken - oft zu deutlich günstigeren Preisen als bei anderen Islay Brennereien und häufig in Fassstärke und ungefiltert.
Wie Caol Ila Whisky hergestellt wird
Caol Ila Brennblasen
Getorftes Malz von Port Ellen: Die Basis des Rauchcharakters
Das gemälzte Gerstenkorn für Caol Ila stammt heute von den Port Ellen Maltings am anderen Ende der Insel - einer Anlage, die 1973 von Scottish Malt Distillers erbaut wurde und heute als das größte Gebäude auf Islay gilt. Die Malzfabrik versorgt fast alle Islay Brennereien. Alle zwei Wochen bringt das Frachtschiff "Islay Trader" etwa 1.600 Tonnen Gerste zur Anlage, überwiegend die Sorte Concerto die wegen ihres hohen Stärkegehalts und der damit verbundenen hohen Ausbeute bei der Destillation bevorzugt wird.
Für Caol Ila wird das Malz auf einen Phenolgehalt von etwa 35 bis 38 ppm (parts per million) getorft - exakt die gleiche Spezifikation wie für die Schwesterbrennerei Lagavulin. Diese Phenole entstehen wenn das frisch gekeimte Gerstenmalz über schwelenden Torffeuern getrocknet wird. Der Torf stammt aus den Torfmooren von Islay die nach Expertenmeinung praktisch unerschöpflich sind. Bei der Kilnung bindet der Rauch seine phenolischen Verbindungen an die feuchte Oberfläche des Malzes - ein Prozess, der nur funktioniert, solange die Feuchtigkeit des Korns zwischen 15 und 30 Prozent liegt. Sobald das Malz trockener wird kann kein weiterer Rauch mehr aufgenommen werden.
Bemerkenswert ist, dass Lagavulin das identische Malz mit dem gleichen Phenolgehalt verwendet - doch das Endergebnis schmeckt merklich unterschiedlich. Während Lagavulin als ölig, schwer und intensiv rauchig gilt, präsentiert sich Caol Ila leicht, fruchtig und elegant. Dieser Unterschied entsteht ausschließlich durch die unterschiedlichen Produktionsprozesse - Gärzeit, Brennblasenform, Füllhöhe, Destillationsgeschwindigkeit und vor allem die Schnittpunkte bei der Destillation. Phenole gehen während des gesamten Produktionsprozesses verloren - im Treber beim Maischen, während der Gärung und besonders bei der zweiten Destillation, da phenolische Verbindungen große Moleküle mit hohem Siedepunkt sind die erst spät im Destillationszyklus als Dampf freigesetzt werden.
🔥 Fun Fact Caol Ila und Lagavulin verwenden exakt das gleiche Malz mit identischem Phenolgehalt von 35-38 ppm und schmecken trotzdem völlig unterschiedlich. Das Geheimnis liegt in der Destillation, Caol Ila nimmt einen früheren, engeren Cut und erzeugt so einen eleganteren Spirit.
Caol Ila Unpeated: Der rauchfreie Highland-Stil von Islay
Eine Besonderheit von Caol Ila ist die Produktion von ungetorftem Whisky, der intern als "Highland Spirit" oder "Caol Ila Highland" bezeichnet wird. Diese ungewöhnliche Praxis begann bereits Mitte der 1980er Jahre als Caol Ila Versuchsläufe mit ungetorftem Malz durchführte um den Blended-Whisky-Markt mit einem anderen Produkttyp zu bedienen. Als die Whisky-Krise der 1980er Jahre die Industrie erschütterte, wurde die Produktion von ungetorftem Whisky zu einer Überlebensstrategie. Sie ermöglichte es der Brennerei weiter zu arbeiten während andere Islay Brennereien - wie Port Ellen - schließen mussten.
1999 nahm Caol Ila die Produktion von ungetorftem Whisky für den Single-Malt-Markt wieder auf. Die erste Abfüllung - ein 8 Jahre alter Unpeated - erschien 2006/2007 und überraschte viele Whisky-Liebhaber mit seinem völlig anderen Charakter. Frisch, esterig, fast blumig, ohne jede Spur von Rauch. Heute werden die Mengen ungetorften Spirits jährlich basierend auf den Prognosen von Diageos Blending Team festgelegt. Während die Brennerei nach wie vor die Fähigkeit besitzt ungetorften Spirit zu produzieren wurde dies in den letzten Jahren nicht mehr praktiziert - derzeit konzentriert sich die gesamte Produktion auf getorften Whisky.
Das Maischen: Vom Malz zur Würze
Das gemahlene Malz - der sogenannte Grist - wird in einer Porteous-Mühle aus den späten 1950er Jahren verarbeitet. Die Mühle zerlegt das Malz in drei Bestandteile, etwa 70 Prozent Spelzen (Husks), 20 Prozent Gries (Grits) und 10 Prozent Mehl (Flour). Dieses Verhältnis ist entscheidend für die optimale Umwandlung der Kohlenhydrate in vergärbare Zucker.
Der Grist wird dann in den großen gusseisernen Läuterbottich (Full Lauter Mash Tun) geleitet der bei der Modernisierung 2011 neu installiert wurde und eine Kapazität von 12,5 Tonnen pro Maischvorgang hat. Hier wird das Malz in mehreren Stufen mit heißem Wasser aus dem Loch nam Ban übergossen - bei steigenden Temperaturen von 68 bis 79 Grad Celsius. Dieser Prozess aktiviert die natürlichen Enzyme in den Spelzen die die Stärke in vergärbare Zucker umwandeln. Das Ergebnis ist eine süße, zuckerhaltige Flüssigkeit namens Würze (Wort) die in den Underback abgelassen wird.
Der neue Läuterbottich ist wesentlich effizienter als sein Vorgänger. Er heizt und kühlt schneller was mehr Maischvorgänge pro Woche ermöglicht. Jeder Maischvorgang produziert 58.000 Liter Würze. Aktuell führt Caol Ila etwa 24 Maischvorgänge pro Woche durch, mit einer maximalen Kapazität von 26 Maischen. Das bedeutet einen wöchentlichen Verbrauch von etwa 338 Tonnen Malz - ein gewaltiges Volumen welches die Stellung von Caol Ila als Islays Produktionsgigant unterstreicht.
Lange Gärung für fruchtige Aromen
Die abgekühlte Würze wird über einen Wärmetauscher auf 18 bis 20 Grad Celsius gebracht bevor sie in die Gärbottiche (Washbacks) gepumpt wird. Caol Ila verfügt heute über zehn Washbacks, acht traditionelle Holzbottiche aus Oregon-Kiefer und zwei moderne Edelstahl-Washbacks die bei der Erweiterung 2011 hinzugefügt wurden. Jeder Bottich fasst 58.000 bis 62.000 Liter - genug für die Würze eines kompletten Maischvorgangs plus etwa 300 bis 320 Liter flüssiger Hefe (Mauri-Stamm).
Die Gärzeit bei Caol Ila ist mit 55 bis 60 Stunden ungewöhnlich lang - deutlich länger als bei vielen anderen Brennereien und erheblich länger als bei der Schwesterbrennerei Lagavulin. Unter der Woche beträgt die Gärzeit etwa 80 Stunden, am Wochenende kann sie auf bis zu 120 Stunden ausgedehnt werden. Diese verlängerte Gärzeit ist entscheidend für den Caol-Ila-Charakter. Sie ermöglicht der Hefe jeden letzten Rest Zucker aus der Würze zu extrahieren und fördert die Entwicklung von fruchtigen und esterigen Aromen in der Wash. Diese fruchtige Gärung bildet einen schönen Kontrast zur torfigen Note des Malzes.
Der Brennereimanager muss während der Gärung ein feines Gleichgewicht zwischen Säuregraden und Temperatur aufrechterhalten um die Hefe lebensfähig zu halten. Die Temperatur darf während der langen Gärzeit nicht zu hoch steigen. Am Ende der Gärung hat die Wash einen Alkoholgehalt von etwa 8 bis 10 Prozent - ein rauchiges, fermentiertes Gerstenbier das intern als "Distillers Beer" bezeichnet wird.
Über die Frage, ob Holz- oder Edelstahl-Washbacks einen Unterschied im Geschmack machen, wird in der Whisky-Welt heftig diskutiert. Einige glauben, dass Bakterien, die in die Fasern des Holzes eindringen, einen positiven Einfluss auf die Gärung haben können. Besonders spät im Prozess wenn die Hefe die meisten verfügbaren Zucker bereits verbraucht hat. Andere argumentieren, dass sich über die Jahre eine Beschichtung auf dem Holz bildet die jeden Austausch zwischen Wash und Bottich verhindert. Bei einer Brennerei wie Caol Ila die beide Typen verwendet sind diese subtilen Unterschiede ohnehin schwer zu identifizieren.
"Als Lagavulin-Fan war ich skeptisch, aber Caol Ila hat mich überzeugt. Weniger brachial, dafür feiner und fruchtiger. Jetzt habe ich immer beide im Regal – je nach Stimmung."
Sechs kupferne Brennblasen mit Blick auf Jura
Das Herzstück jeder Whiskybrennerei ist das Stillhouse - und bei Caol Ila ist es dank der raumhohen Glasfenster mit Blick auf den Sound of Islay und die Paps of Jura wohl das spektakulärste in ganz Schottland. Hier stehen sechs kupferne Brennblasen in einer Reihe, drei Wash Stills (Rohbrandblasen) und drei Spirit Stills (Feinbrandblasen). Die Brennblasen wurden bei der Rekonstruktion 1972-74 exakt nach dem Vorbild der alten Brennblasen gefertigt um den charakteristischen Brennereicharakter zu bewahren.
Die Wash Stills haben eine Kapazität von jeweils etwa 35.000 Litern (19.000 Liter Ladung), die Spirit Stills fassen etwa 29.000 Liter (bzw. 12.000 Liter Ladung). Die Form der Brennblasen ist charakteristisch: große, bauchige Zwiebel- oder Laternenform mit hohen, schlanken Hälsen. Die Wash Stills haben abfallende Lyne Arms (die Rohre, die den Dampf zum Kondensator leiten), während die Spirit Stills gerade Lyne Arms besitzen. Diese Konfiguration beeinflusst den Rückfluss (Reflux) und damit den finalen Charakter des Spirits.
Weniger ist mehr – Die Kunst der niedrigen Befüllung
Ein entscheidendes Merkmal der Caol Ila Destillation ist die niedrige Befüllung der Brennblasen. Sie werden nur zu etwa einem Drittel ihrer Kapazität gefüllt - deutlich weniger als bei vielen anderen Brennereien und weniger als bei Lagavulin, wo die Stills zu 85-95 Prozent gefüllt werden. Diese niedrige Befüllung hat mehrere Effekte, sie macht mehr Kupfer für den Kontakt mit dem Dampf verfügbar, fördert den Rückfluss (wenn Dampf auf eine kühlere Oberfläche im Inneren der Brennblase trifft, kondensiert er, fällt zurück und wird erneut destilliert) und verlängert die "Konversation" zwischen Kupfer und Dampf.
Kupfer ist nicht nur traditionell - es reagiert mit Schwefelverbindungen und entfernt unerwünschte Noten aus dem Spirit. Je mehr Kupferkontakt desto sauberer und leichter der Spirit. Die Höhe der Brennblasen verstärkt diesen Effekt zusätzlich. In hohen Brennblasen müssen schwerere Verbindungen einen längeren Weg zurücklegen, kondensieren dabei leichter und fallen zurück, während nur die leichteren, reineren Aromen den Weg in den Kondensator schaffen. Bei Caol Ila sind die Wash Stills etwa 7 Meter hoch, die Spirit Stills etwa 6,1 Meter.
Der frühe Cut – Warum Caol Ila eleganter schmeckt als Lagavulin
Die Destillation bei Caol Ila erfolgt in zwei Stufen. Im ersten Durchgang wird die Wash in den Wash Stills erhitzt, der Alkohol verdampft, steigt durch die Schwanenhälse auf und wird in den Kondensatoren wieder verflüssigt. Das Ergebnis ist der sogenannte Low Wine mit etwa 28 Prozent Alkoholgehalt. Der Durchlauf dauert etwa 4 Stunden und wird mit Dampf beheizt.
Im zweiten Durchgang werden die Low Wines in den Spirit Stills erneut destilliert. Hier findet die entscheidende Trennung statt. Der Vorlauf (Foreshots) - die ersten etwa 30 Minuten des Destillats - wird abgetrennt, da er unerwünschte Verbindungen enthält. Dann folgt der eigentliche Spirit Run (Herzstück, Middle Cut) von etwa 2 bis 3 Stunden, gefolgt vom Nachlauf (Feints) von ähnlicher Dauer. Die Schnittpunkte (Cut Points) bestimmen maßgeblich den Charakter des Spirits.
Während Lagavulin den Spirit von 72 % Alkoholgehalt bis hinunter zu 59 Prozent sammelt, nimmt Caol Ila nur den Bereich von 75 bis 65 %. Dieser engere, frühere Cut ist der Schlüssel zum Caol Ila Charakter. Phenole sind große Moleküle mit hohem Siedepunkt, die erst spät im Destillationszyklus als Dampf freigesetzt werden. Ein früherer Cut bedeutet, dass mehr der schweren, stark phenolischen Verbindungen im Nachlauf zurückbleiben. Das Ergebnis ist ein leichterer, eleganterer Spirit mit weniger aggressivem Rauch und mehr Raum für die fruchtigen und blumigen Noten die während der langen Gärung entstanden sind.
Wie Pierrick Guillaume, der Brennereimanager von Caol Ila, es ausdrückt: "Der Wash-Kondensator ist das Arbeitspferd und der Spirit Kondensator ist der Dirigent des Orchesters." Die Kunst liegt darin genau den richtigen Moment zu finden um von Herzstück auf Nachlauf umzuschalten - eine Entscheidung, die den Charakter des Whiskys für die nächsten Jahrzehnte prägt.
Shell-and-Tube-Kondensatoren und Meerwasserkühlung
Nach dem Austritt aus der Brennblase muss der alkoholische Dampf wieder in flüssige Form gebracht werden. Caol Ila verwendet moderne Shell-and-Tube-Kondensatoren (Röhrenkühler) anstelle der traditionellen Worm Tubs (Kühlschlangen in Wasserbehältern), die nur noch in wenigen schottischen Brennereien verwendet werden. Bei Shell-and-Tube-Kondensatoren strömt kaltes Wasser durch etwa 50 bis 100 dünne Kupferrohre während der Dampf durch den Raum zwischen Hülle und Rohren fließt. Diese Bauweise bietet mehr Kupferkontakt und eine kontrolliertere Kühlung als Worm Tubs.
Bei der Modernisierung 2011 wurde zusätzlich eine Meerwasserkühlung installiert - eine Neuerung, die die Effizienz weiter steigerte. Die Temperatur des Kühlwassers beeinflusst den Charakter des Spirits. Kühleres Wasser führt zu schnellerer Kondensation und weniger Kupferkontakt (was einen schwereren Spirit ergibt) während wärmeres Wasser langsamere Kondensation und mehr Kupferkontakt bedeutet (was einen leichteren Spirit ergibt). Bei Caol Ila wird das Kühlwasser auf eine Standardtemperatur von etwa 20 bis 25 Grad Celsius gebracht - heißes Wasser das oben aus dem Kondensator mit etwa 80 Grad austritt, wird zugemischt um jahreszeitliche Temperaturschwankungen auszugleichen.
Reifung in Bourbon-Fässern – Vom Spirit zum Whisky
Nach der Destillation wird der New Make Spirit mit etwa 63 Prozent Alkoholgehalt in Eichenfässer gefüllt. Caol Ila verwendet überwiegend ehemalige Bourbonfässer aus amerikanischer Weißeiche (First-Fill und Refill) die dem Whisky Vanille- und Karamellnoten verleihen ohne den charakteristischen rauchigen Charakter zu überlagern. Refill-Fässer werden bewusst bevorzugt um den Brennereicharakter zu bewahren - neue oder stark aktivierte Fässer würden zu viel Holzeinfluss einbringen. Für spezielle Abfüllungen wie die Distillers Edition werden auch Sherryfässer (Moscatel) verwendet, und es gibt Brennerei-Exklusivabfüllungen mit Finishes in kalifornischen Rotweinfässern.
Eine Besonderheit bei Caol Ila ist, dass nur sehr wenig Whisky auf Islay selbst reift. Das dreistöckige viktorianische Dunnage-Lagerhaus vor Ort ist fast leer - hier lagern nur ausgewählte ältere Bestände. Der Großteil des New Make Spirits wird per Tankwagen zur Fähre und dann aufs Festland transportiert wo er in einem der riesigen Lagerhäuser von Diageo in der Nähe von Glasgow in Fässer gefüllt und gereift wird. Diese Praxis mag Puristen enttäuschen die glauben, dass die salzige Meeresluft von Islay dem Whisky während der Reifung seinen maritimen Charakter verleiht. Tatsächlich zeigt Caol Ila jedoch, dass der charakteristische küstennahe, salzige Charakter bereits im Spirit selbst angelegt ist und nicht primär von der Lagerumgebung abhängt.
Dennoch atmen die Fässer während der Reifung - sie nehmen Luft auf und geben sie ab, wobei ein Teil des Alkohols verdunstet (der sogenannte "Angels Share" oder Engelsanteil, etwa 2 Prozent pro Jahr). In den kühlen, feuchten Lagerhäusern auf dem Festland verläuft dieser Prozess gleichmäßig und fördert die harmonische Entwicklung des Whiskys über die Jahre. Nach schottischem Recht muss Single Malt Scotch Whisky mindestens drei Jahre in Eichenfässern in Schottland reifen - eine Anforderung, die Caol Ila rigoros erfüllt.
⚓ Wusstest du? Über 100 Jahre lang wurde Caol Ila ausschließlich per Schiff versorgt. Die legendären "Puffers" – kleine Dampfschiffe – brachten Gerste und Kohle und nahmen Whisky-Fässer mit. Der letzte Puffer verließ 1972 den Pier.
6,5 Millionen Liter – Islays Produktionsgigant
Die jährliche Produktionskapazität von Caol Ila liegt bei über 6,5 Millionen Litern reinem Alkohol - das macht Caol Ila zu eine der größten Brennereien in Schottland und zur mit Abstand größten auf Islay. Zum Vergleich, Lagavulin produziert etwa 2,6 Millionen Liter, Laphroaig etwa 3,3 Millionen Liter, Ardbeg etwa 2,4 Millionen Liter, Bowmore etwa 2,15 Millionen Liter. Caol Ila allein produziert also mehr als Lagavulin und Laphroaig zusammen.
Diese enorme Kapazität ist das Ergebnis mehrerer Modernisierungen. Beim Neubau 1972-74 wurde die Brennblasenzahl von zwei auf sechs verdreifacht. Die Produktionskapazität lag 2008 bei etwa 3,6 Millionen Litern, 2009 bereits bei 3,9 Millionen Litern. Im November 2011 kündigte Diageo eine Investition von 3,5 Millionen Pfund in die weitere Modernisierung an. Der sechsmonatige Umbau umfasste einen neuen, effizienteren Läuterbottich mit 12,5 Tonnen Kapazität, zwei zusätzliche Gärbottiche aus Holz mit je 62.000 Litern Fassungsvermögen (insgesamt nun zehn) sowie eine Modernisierung der Steuerungssysteme im Stillhouse. Die Meerwasserkühlung wurde ebenfalls in diesem Rahmen installiert. Die sechs Brennblasen selbst wurden nicht verändert.
Diese Modernisierung brachte die Kapazität auf die heutigen 6,5 Millionen Liter - eine nahezu Verdopplung. Bis 2015 arbeitete die Brennerei rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Heute wird von Montag bis Freitag produziert, mit etwa 24 Maischvorgängen pro Woche. Während des Umbaus 2011 übernahm die benachbarte Bunnahabhain Brennerei die Produktion von getorftem Whisky für Diageos Blending-Bedürfnisse - eine bemerkenswerte Kooperation zwischen den beiden nordöstlichen Islay Brennereien.
🦭 Fun Fact Vom Stillhouse aus können die Brenner Robben beobachten, die im Sound of Islay spielen. Ein früherer Manager soll seinen Schreibtisch mit dem Rücken zum Fenster gestellt haben – der Blick auf die Paps of Jura war einfach zu ablenkend.
Die Geschichte von Caol Ila – Von 1846 bis heute
Caol Ila Brennerei
1846 – Hector Henderson gründet Caol Ila
Die Geschichte von Caol Ila beginnt im Jahr 1846, als der Glasgower Geschäftsmann Hector Henderson die Brennerei gründete. Henderson war kein Neuling in der Whisky-Industrie - er war bereits Mitgründer der Littlemill Destillerie in West Dunbartonshire und besaß die Camlachie Brennerei in Glasgow. Sechs Jahre lang soll er nach dem idealen Standort für eine neue Brennerei gesucht haben bevor er die abgelegene aber geschützte natürliche Bucht nördlich von Port Askaig fand.
Der Standort war strategisch gewählt, die Nähe zum Meer ermöglichte einfache Versorgung und den Abtransport des Whiskys per Schiff - in einer Zeit ohne Straßen zur Brennerei war dies überlebenswichtig. Das Wasser aus dem nahegelegenen Loch nam Ban floss durch Kalkstein und die umliegenden Torfmoore lieferten Brennmaterial. Henderson nannte seine Brennerei nach dem Meeresarm vor der Tür: "Caol Ila" - gälisch für den "Sund von Islay".
Doch trotz seiner Erfahrung gelang es Henderson nicht die Brennerei wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Bereits 1852 geriet sein Unternehmen Henderson Lamont und Co. in finanzielle Schwierigkeiten. 1854 wurde sein gesamtes Anwesen versteigert. Der Käufer war Norman Buchanan, der bereits die Isle of Jura Brennerei auf der Nachbarinsel betrieb - eine naheliegende Verbindung, da die Fähre zwischen den Inseln direkt am Port Askaig anlegt, nur wenige Gehminuten von Caol Ila entfernt.
Schwierige Anfänge und erste Eigentümerwechsel (1854-1863)
Norman Buchanan hoffte das Potenzial von Caol Ila nutzen zu können, doch auch er konnte die Brennerei nur bis 1863 halten bevor eigene Handelsschwierigkeiten ihn zum Verkauf zwangen. In diesen frühen Jahren war die Produktion bescheiden - die Brennerei arbeitete mit nur zwei Brennblasen und war stark von den logistischen Herausforderungen des abgelegenen Standorts geprägt. Der einzige Zugang zur Brennerei führte über einen steilen, steinigen Pfad die Klippen hinunter - ein Weg, der noch Jahrzehnte später Besuchern Unbehagen bereitete.
Bulloch Lade bringt Stabilität und Wachstum (1863-1920)
1863 übernahm Bulloch Lade und Co. aus Glasgow die Brennerei und damit begann eine Phase der Stabilität und des Wachstums. Bulloch Lade war um 1830 in Glasgow als Kornhändler gegründet worden und hatte sich zu einer bedeutenden Blending Firma entwickelt - sie waren Händler mit Scotch Whisky-Beständen und wussten genau was der wachsende Markt für Blended Whiskys verlangte. Interessanterweise betrieb Bulloch Lade auch die Camlachie Destillerie die Henderson einst gehört hatte.
Die neue Eigentümerschaft brachte sofortige Verbesserungen. 1857 wurde ein substantieller Pier gebaut an dem kleinere Schiffe bei jedem Wasserstand be- und entladen konnten. Dies war ein Wendepunkt für die Brennerei. Die kleinen, kohlenbefeuerten Dampfschiffe - liebevoll "Puffers" genannt - brachten nun regelmäßig Gerste, Kohle und leere Fässer zur Brennerei und transportierten gefüllte Fässer zurück aufs Festland.
1871 wurde laut Volkszählung Duncan Johnston als Brennereimanager verzeichnet. Duncan war der Neffe von John Johnston von Lagavulin und Cousin der Johnstons von Laphroaig - die berühmteste Whisky-Familie Islays hatte damit ihre Finger in einer weiteren Brennerei. Diese Verbindung verdeutlicht wie eng verflochten die Whisky-Welt auf Islay im 19. Jahrhundert war.
1879 wurde Caol Ila grundlegend renoviert und erweitert - praktisch ein kompletter Neubau im viktorianischen Stil. Die Brennerei erhielt bemerkenswert moderne Anlagen und bereits zu dieser Zeit galt sie als eine der fortschrittlichsten ihrer Epoche. Interessanterweise war Caol Ila die erste Brennerei auf Islay bei der Beton als Baumaterial verwendet wurde. Bis in die 1880er Jahre produzierte die Brennerei über 147.000 Imperial Gallons (etwa 670.000 Liter reinen Alkohol) Whisky pro Jahr.
Alfred Barnard besucht Caol Ila (1886)
Im Sommer 1886 besuchte der Whisky-Historiker Alfred Barnard im Rahmen seiner legendären Reise zu allen Brennereien des Vereinigten Königreichs auch Caol Ila. Sein Bericht, veröffentlicht 1887 in "The Whisky Distilleries of the United Kingdom", bietet einen einzigartigen Einblick in die Brennerei während der viktorianischen Blütezeit. Barnard und seine Begleiter reisten in einer Pferdekutsche von Port Askaig zur Brennerei, doch der steile Abstieg die Klippen hinunter war ihnen zu heikel: "Der Weg ist so steil und unsere Nerven nicht die besten, dass wir darauf bestehen den Rest des Abstiegs zu Fuß zurückzulegen, sehr zum Ärger des Kutschers, der seltsame Worte auf Gälisch murmelte."
Barnard beschrieb Caol Ila als eine der malerischsten Brennereien die er je gesehen hatte - eingebettet in eine wilde Bucht mit Blick auf die berühmten "Paps of Jura" die aus dem Meer aufzuragen schienen. Sein Bericht dokumentiert, dass die Brennerei bereits einen "feinen Pier" besaß, "an dem Schiffe bei jedem Wasserstand be- und entladen können" - ein Zeugnis der Modernisierung unter Bulloch Lade. Auch zu Barnards Zeit war Caol Ila bereits eine der modernsten und größten Brennereien ihrer Epoche.
Unruhige Zeiten bei Caol Ila – Liquidation und DCL-Übernahme (1920-1927)
Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war brutal für die schottische Whisky-Industrie. 1920 ging Bulloch Lade in die freiwillige Liquidation - ein Opfer der wirtschaftlichen Turbulenzen der Zwischenkriegszeit, verstärkt durch die Prohibition in den USA. Die Vermögenswerte wurden an J.P. O'Brien Ltd. verkauft, die die Brennerei jedoch noch im selben Jahr an ein Konsortium von Geschäftsleuten weitergab das die Caol Ila Distillery Company Ltd. gründete. Diese Firma wurde von Robertson und Baxter, einem der großen schottischen Whisky-Händler, verwaltet.
1927 erwarb die Distillers Company Limited (DCL), der mächtige Zusammenschluss der größten schottischen Whisky-Produzenten, eine Mehrheitsbeteiligung an Caol Ila. Die Brennerei wurde rasch zu einem geschätzten Teil des DCL-Portfolios - ihr Scotch Whisky war ideal zum Verschneiden geeignet und fand seinen Weg in zahlreiche Blends.
Der Pibroch – Whisky-Transport per Dampfschiff
In den Händen der DCL wurde ein vertrauter Anblick am Pier von Caol Ila zum Symbol der Brennerei, der Puffer "Pibroch". Ab den 1920er Jahren unternahm dieses kleine Dampfschiff wöchentliche Fahrten zu den DCL-Brennereien auf Islay - Caol Ila, Lagavulin und Port Ellen. Der Pibroch brachte Gerste, Kohle und leere Fässer und nahm gefüllte Fässer voller reifer Whiskys zurück aufs Festland. Evokative Fotografien des Pibroch schmücken heute das Besucherzentrum von Caol Ila.
1957 wurde der erste Pibroch durch ein moderneres Dieselschiff gleichen Namens ersetzt. Der neue Pibroch war 87 Fuß lang und besaß Stahllukendeckel - es hieß, diese reduzierten die "Verdunstung", die man bei verkorkt transportiertem Whisky unter traditionellen Holz- und Segeltuchluken erlebt hatte. Der Puffer blieb bis in die 1970er Jahre im Dienst als die Einführung von Roll-on/Roll-off-Fähren ihn überflüssig machte.
Das Schicksal des zweiten Pibroch ist bemerkenswert. Nach dem Ende seiner Whisky-Karriere diente er als Versorgungsschiff für die amerikanische Marine am Holy Loch, bevor er schließlich nach Irland verkauft wurde. Heute liegt er in Letterfrack, Connemara, an einem Steinpier - schottische Whisky-Liebhaber sollen mit Tränen in den Augen vor ihm gestanden haben, so erzählen Einheimische.
Wirtschaftskrise und Weltkrieg – Stille Jahre (1930-1945)
1930 übernahm Scottish Malt Distillers Ltd. (SMD), eine Tochtergesellschaft der DCL, alle Anteile an Caol Ila. Doch der Zeitpunkt hätte kaum schlechter sein können: Die Weltwirtschaftskrise und die anhaltende Prohibition in den USA hatten den Markt für Whisky zusammenbrechen lassen. Caol Ila wurde stillgelegt und blieb von 1930 bis 1937 geschlossen - sieben Jahre des Schweigens in der Bucht am Sund von Islay.
1937 wurde die Produktion wiederaufgenommen, doch nur vier Jahre später folgte die nächste Unterbrechung. Der Zweite Weltkrieg brachte Rationierungen von Gerste und Brennstoffen und 1942 musste Caol Ila erneut schließen. Während des Krieges diente die Anlage als Stützpunkt für die Royal Navy, die ihre Einrichtungen für militärische Zwecke adaptierte. Erst 1945 konnte die Produktion wieder aufgenommen werden.
Trotz dieser Unterbrechungen gilt Caol Ila als eine der am kontinuierlichsten produzierenden Brennereien Schottlands - sie hat seit ihrer Gründung nur während der Weltwirtschaftskrise, des Zweiten Weltkriegs und der großen Umbauphasen pausiert. Diese bemerkenswerte Beständigkeit unterscheidet sie von vielen anderen historischen Brennereien.
Nachkriegsproduktion und das Ende der Floor Maltings bei Caol Ila (1945-1972)
Nach dem Krieg nahm Caol Ila die Produktion unter DCL-Aufsicht wieder auf, wobei der Whisky hauptsächlich für Blends wie Johnnie Walker bestimmt war. Die Produktion blieb in den folgenden Jahrzehnten bescheiden - die alte viktorianische Brennerei mit ihren zwei Brennblasen konnte kaum mit der steigenden Nachfrage Schritt halten.
Bis 1970 betrieb Caol Ila eigene Floor Maltings - traditionelle Mälzböden, auf denen die Gerste von Hand gewendet wurde. In diesem Jahr wurden sie stillgelegt und die Brennerei begann gemalztes Getreide von den Port Ellen Maltings zu beziehen. Einige Experten behaupten einen deutlichen Unterschied zwischen dem älteren, schwereren Caol Ila und dem neueren, leichteren und saubereren Charakter nach 1974 feststellen zu können - eine Folge sowohl des Malzwechsels als auch des kompletten Neubaus.
Abriss und Neubau – Eine Brennerei wird neu erfunden (1972-1974)
Anfang der 1970er Jahre war klar: Die alte viktorianische Brennerei war veraltet und die Kapazität musste drastisch erhöht werden um die Nachfrage nach Blending Malt zu befriedigen. SMD traf eine einschneidende Entscheidung: Die gesamte Brennerei - mit Ausnahme des dreistöckigen steinernen Lagerhauses - sollte abgerissen und von Grund auf neu gebaut werden.
Im April 1972 wurde die Produktion eingestellt und die Abrissarbeiten begannen. Der Architekt George Leslie Darge, der in 28 Jahren als Chefarchitekt von Scottish Malt Distillers insgesamt 46 Brennereien bearbeitet hatte, zeichnete für den Entwurf verantwortlich. Darge war bekannt für sein charakteristisches Design mit großen Glasvorhangwänden - inspiriert von den hohen Fenstern des DCL-Bürogebäudes in der Waterloo Street in Glasgow.
Dieses "Waterloo-Design" wurde an mehreren Brennereien installiert - Glen Ord, Clynelish, Craigellachie, Teaninich - doch nirgendwo kommt es so spektakulär zur Geltung wie bei Caol Ila. Die bodentiefen Fenster des neuen Stillhouse bieten einen atemberaubenden Panoramablick auf den Sund von Islay und die Paps of Jura.
Am 30. Januar 1974 nahm die neue Brennerei ihren Betrieb auf. Die Kapazität hatte sich verdreifacht: Statt zwei Brennblasen standen nun sechs im neuen Stillhouse, dampfbeheizt statt kohlebefeuert. Die neuen Brennblasen wurden sorgfältig als exakte Repliken der alten gefertigt, um sicherzustellen, dass sich der Charakter des Whiskys nicht veränderte. Die Gesamtkosten des Umbaus beliefen sich auf etwa eine Million Pfund - eine enorme Summe für die damalige Zeit.
Mit den neuen Gebäuden aus Beton und Glas war Caol Ila zur größten Brennerei auf Islay aufgestiegen - ein Status, den sie bis heute behält. Die charakteristischen Pagodendächer der alten viktorianischen Brennerei waren verschwunden, aber die drei Stockwerke des alten Lagerhauses mit dem großen "CAOL ILA"-Schriftzug unter dem Dach blieben erhalten - ein sichtbares Band zur Vergangenheit.
Von United Distillers zu Diageo (1986-1997)
1986 wurde Caol Ila Teil des United Distillers-Konglomerats, als DCL nach einer feindlichen Übernahme durch die Guinness-Gruppe umstrukturiert wurde. Dies führte 1989 zur ersten "halboffiziellen" Abfüllung in der Flora-und-Fauna-Serie - einem 15-jährigen Caol Ila. Es war die erste reguläre Abfüllung der Brennerei als Single Malt und sollte lange Zeit die einzige bleiben. Der Name "Flora und Fauna" wurde vom Whisky-Autor Michael Jackson geprägt, in Anspielung auf die Tier- und Pflanzenmotive auf den Etiketten.
1992 ging Caol Ila an United Distillers (UD) und 1997 entstand durch die Fusion von Grand Metropolitan und Guinness plc der Getränkeriese Diageo - der bis heute Eigentümer der Brennerei ist. Unter Diageo wurde Caol Ila als Volumenproduzent klassifiziert, fokussiert auf die Produktion großer Mengen Scotch für Blends, allen voran Johnnie Walker.
👨👩👧👦 Fun Fact Vier Generationen der Familie Stitchell arbeiteten ununterbrochen bei Caol Ila – insgesamt über 130 Jahre. Als Billy Stitchell 2013 in Rente ging, ehrte Diageo ihn mit einer eigenen Abfüllung – dem "Stitchell Reserve".
Vier Generationen – Die Familie Stitchell bei Caol Ila
Inmitten aller Eigentümerwechsel und Umbauten blieb eine Konstante - die Familie Stitchell. Vier Generationen - Urgroßvater, beide Großväter, Vater und schließlich Billy Stitchell - arbeiteten ununterbrochen für die Brennerei. Insgesamt waren es über 130 Jahre Familiendienst.
Billy Stitchell war fast 40 Jahre bei Caol Ila, die letzten 15 davon als Brennereimanager. Als er Ende 2013 in den Ruhestand ging würdigte Diageo seinen außergewöhnlichen Beitrag mit einer besonderen Abfüllung - dem "Caol Ila Unpeated Stitchell Reserve" als Teil der Special Releases 2013. Es war ein seltenes Zeichen der Anerkennung für einen Einzelnen in einer Industrie die normalerweise die Brennerei in den Vordergrund stellt.
Sein Nachfolger David Wood, der zuvor bei der benachbarten Lagavulin gearbeitet hatte, wurde rechtzeitig eingearbeitet um die einzigartigen Eigenheiten von Caol Ila zu erlernen. In der heutigen Zeit, so bemerkte Diageos Dr. Nick Morgan, würde eine solche Familiendynastie immer seltener werden - die Stitchells repräsentieren eine Verbindung zur handwerklichen Tradition die in der modernen Whisky-Industrie selten geworden ist.
"Ich sammle seit Jahren unabhängige Caol-Ila-Abfüllungen. Die Qualität ist durchweg hervorragend. Im Vergleich zu anderen Islay-Brennereien bekommt man hier noch echte Schätze zu fairen Preisen."
Vom Blending-Malt zur Kultmarke (1999-2006)
Lange Zeit war Caol Ila fast unsichtbar als Single Malt. Bis zu 95 Prozent der Produktion gingen in Blends - allen voran Johnnie Walker Black Label und Double Black, wo Caol Ila die rauchige Note beisteuert und, wie manche Experten sagen, wie Bitter in einem Cocktail wirkt, der die süßen und starken Elemente bindet. Zusammen mit Cardhu gilt Caol Ila als einer der wichtigsten Malts in Johnnie Walker Black.
1999 begann Caol Ila mit der Produktion von ungetorftem Whisky - eine Neuerung, die ursprünglich entstand um während der Whisky-Krise der 1980er Jahre zu überleben. Die Nachfrage nach ungetorftem "Highland Stil" Whisky für bestimmte Blends bot der Brennerei ein zweites Standbein. Die ersten Versuchsläufe fanden bereits Mitte der 1980er statt, wurden aber erst 1999 wiederaufgenommen.
Der wahre Wendepunkt kam im Juni 2002, als Diageo endlich ein eigenes Kernsortiment für Caol Ila lancierte. Einen 12-jährigen, einen 18-jährigen und eine Fassstärke-Abfüllung. Dies war der offizielle Eintritt von Caol Ila in die Welt der Single Malt Marken. Innerhalb der Diageo-Klassifikation wurde die Brennerei 2002 in die "Hidden Malts"-Serie aufgenommen (gemeinsam mit Clynelish und Glen Elgin), 2006 dann als zweiter Islay-Vertreter neben Lagavulin in die Classic Malts Serie.
2006/2007 erschien auch die erste ungetorfte Abfüllung für den Single Malt Markt - ein 8-jähriger. Seitdem sind ungetorfte Caol Ilas regelmäßig in den Special Releases von Diageo zu finden und zeigen eine völlig andere Seite der Brennerei: frisch, esterig, fast blumig - ein "Highland Spirit von Islay".
Das Herz von Johnnie Walker – Caol Ilas Rolle im weltgrößten Blend
Caol Ilas Bedeutung für Johnnie Walker kann kaum überschätzt werden. Als eine der "Four Corners"-Destillerien - neben Glenkinchie (Lowlands), Cardhu (Speyside) und Clynelish (Highlands) - liefert Caol Ila die charakteristische rauchige Note, die Johnnie Walker von vielen anderen Blends unterscheidet. Der Blend besteht aus etwa 40 verschiedenen Malt und Grain Whiskys, doch Caol Ila und Talisker werden oft als die "Single Malt Protagonisten" bezeichnet.
In Johnnie Walker Black Label sorgt Caol Ila nicht nur für leichten Rauch sondern seine medizinischen Noten helfen auch die süßen und starken Elemente zu verbinden - ähnlich wie Bitter in einem Cocktail. Für Johnnie Walker Double Black ist Caol Ila noch wichtiger - der verstärkte Rauchcharakter dieser Variante stammt maßgeblich aus der Islay Brennerei. Auch in Johnnie Walker Red Label und zahlreichen anderen Blends findet sich Caol Ila Whisky.
Ein Viertel einer Flasche Johnnie Walker Green Label besteht angeblich aus Caol Ila Whisky. Diese Bedeutung für die weltweit größte Whisky-Marke ist der Grund warum die Brennerei so lange so wenig als Single Malt vermarktet wurde - jeder Tropfen der als Caol Ila verkauft wird fehlt für Johnnie Walker.
Caol Ila verdoppelt Kapazität – Die Modernisierung 2011
Im November 2011 kündigte Diageo eine Investition von 3,5 Millionen Pfund in die weitere Modernisierung von Caol Ila an. In sechs Monaten wurde die Kapazität nahezu verdoppelt. Ein neuer, effizienterer Läuterbottich mit 12,5 Tonnen Kapazität ersetzte den alten. Zwei zusätzliche Gärbottiche aus Holz mit je 62.000 Litern Fassungsvermögen wurden hinzugefügt (insgesamt nun zehn) und die Steuerungssysteme im Stillhouse wurden modernisiert. Die Meerwasserkühlung für die Kondensatoren wurde ebenfalls installiert.
Die sechs Brennblasen selbst blieben unverändert - eine bewusste Entscheidung um den Charakter des Scotch Whiskys nicht zu beeinflussen. Mit 6,5 Millionen Litern jährlicher Kapazität ist Caol Ila heute eine der größten Brennereien in Schottland und die mit Abstand größte auf Islay. Bis 2015 arbeitete die Brennerei rund um die Uhr, sieben Tage die Woche - ein Zeugnis der enormen Nachfrage nach Blending Malt. Heute wird von Montag bis Freitag produziert mit etwa 24 Maischvorgängen pro Woche.
Während des Umbaus 2011 übernahm übrigens die benachbarte Bunnahabhain Brennerei die Produktion von getorftem Whisky für Diageos Blending Bedürfnisse - eine bemerkenswerte Kooperation zwischen den beiden nordöstlichen Islay Brennereien.
The Islay Home of Johnnie Walker – Neues Besucherzentrum 2022
Am 25. August 2022 eröffnete Diageo das komplett renovierte Besucherzentrum von Caol Ila - nach vierjähriger Bauzeit und als letztes der "Four Corners"-Projekte. Die Brennerei war seit 2019 für Besucher geschlossen gewesen um die umfassende Transformation zu ermöglichen. Die Gesamtinvestition in alle Whisky-Tourismus-Projekte von Diageo - einschließlich des Johnnie Walker Experience in der Princes Street in Edinburgh sowie Glenkinchie, Cardhu, Clynelish, Glen Ord und Talisker - belief sich auf 185 Millionen Pfund.
Das neue Besucherzentrum von Caol Ila, nun offiziell "The Islay Home of Johnnie Walker", ist im ursprünglichen viktorianischen Lagerhaus untergebracht. Besucher betreten es über eine neue Fußbrücke von einem neuen Parkplatz auf der Anhöhe oberhalb der Brennerei. Die Renovierung umfasste große Öffnungen in den Lagerwänden die nun spektakuläre Ausblicke auf den Sund von Islay und die Paps of Jura bieten. Eine Bar mit raumhohen Fenstern, immersive Geschichtsräume und ein Einzelhandelsbereich laden zum Verweilen ein.
Caol Ila 18 Jahre
Das Herzstück des Erlebnisses ist die "Flavour Journey" - eine Tour, die mit dem Riechen von vier Aromen beginnt: Rauch, verbrannter Zucker/Creme Brülee, Salzwasser/Seetang und maritime Gewürze/Nelken. Diese vier Elemente definieren den Charakter von Caol Ila und seinen Beitrag zu Johnnie Walker. Die Geschichte der Brennerei wird mit der Geschichte von Johnnie Walker verwoben - eine bewusste Strategie, um die Verbindung zwischen der Marke und ihren Ursprüngen zu betonen.
Zusammen mit allen anderen 13 Besucherzentren von Diageo in Schottland trägt Caol Ila den Green Tourism Gold Award - die höchste Nachhaltigkeitsauszeichnung für eine Besucherattraktion.
Caol Ila – Der unterschätzte Champion unter den Islay Single Malts
Caol Ila ist eine Brennerei der Kontraste - industrielle Größe trifft auf handwerkliche Tradition, nüchterne Architektur auf atemberaubende Naturkulisse, mächtige Produktionskapazität auf überraschend eleganten Scotch Whisky. Als größte Brennerei auf Islay produziert Caol Ila mehr Single Malt Scotch Whisky als Lagavulin und Laphroaig zusammen - und doch bleibt sie im Schatten ihrer berühmteren Nachbarn.
Für Whisky-Liebhaber ist Caol Ila ein Geheimtipp unter den Islay Whiskys. Der typische Charakter - rauchig, aber nicht erschlagend; maritim, aber elegant; komplex, aber zugänglich - macht Caol Ila 12 Jahre und die anderen Abfüllungen der Brennerei zum idealen Einstieg in die Welt der getorften Islay Single Malts. Ein stiller Champion unter den schottischen Destillerien der endlich die Anerkennung verdient die ihm zusteht.
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